Sonntag, 28. Februar 2016

Schnee, Wein und Penisse

Hallöchen mal wieder!
Es wird mal wieder Zeit, sich zu melden.

Die letzten Tage hatten wir Seminare. Ganz anders als in Deutschland. Dort war alles vollgepackt mit Informationen und der Tag komplett durchgeplant. Hier sollten wir um 12 im Office sein, haben getanzt, ganz entspannt alles abgearbeitet. Besonders viel war das aber auch nicht. Seehr entspannt hier. Zu Besuch kam auch Carlotta, die mit uns über Ziele und Erwartungen geredet hat. Zwei Mitarbeiter vom Isländischem Roten Kreuz haben sich dann dann noch über Diskriminierung in Island unterhalten, die doch ein unerwartet großes Problem ist. Isländer sprechen mit Ausländern prinzipiell Englisch. Auch wenn man auf Isländisch eine Frage stellt. Sie hören den Akzent und switchen ins Englische, weil sie denken, es ist einfacher für ihren Gegenüber. So gestaltet sich das Lernen der Sprache nicht besonders einfach.
Sehr interessant war auch eine Diskussion über Familienstukturen. Zwar waren an der Diskussion 2 Isländer und 4 Deutsche beteiligt, wo kein großer Unterschied zu bemerken war, aber zum Glück gab es noch Eindrücke von Esteban aus Costa Rica und Gloria aus Kenia. In Costa Rica gibt es wohl seit einigen Jahren einen Umschwung was die Akzeptanz von Homosexuellen angeht. Aber auch fast nur in den Großstädten.
Am ersten Seminartag haben wir auch eine kleine Tour gemacht und sind mit Esteban zum Konzerthaus, was direkt am Wasser liegt. Der hat sich die ganze Zeit gefreut wie ein Honigkuchenpferd, da er das erste Mal Schnee in seinem ganzen Leben gesehen hat. An diesem Tag hat er gefühlte 1000 Fotos von allem gemacht. Schade nur, dass es zwischendurch nicht geschneit hat. Es hat gehagelt. Esteban voller Freude als er aus dem Fenster sah und ich draußen zu ihm: Nein, das ist kein Schnee, Schnee tut nicht weh.
Zum Abschluss des dreitägigen Seminars sind wir ins Phallusmuseum. Ja sowas gibt es hier. Das Museum war dafür bekannt, von jedem Tier der Welt einen Penis zu haben, bis auf den einen Penis. Doch seit nicht alzu langer Zeit existiert nun doch dieser eine Penis. Ein Isländer spendete sein bestes Stück dem Museum an seinem Tode. Jetzt ziert die Ausstellung neben den vielen Walpenissen der Penis eines 90-jährigen Mannes. Um die Geschichte des Landes aufzugreifen, gibt es natürlich auch einen Elfenpenis. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Ausstellung war das.

Sonst kommen Jonathan und ich ein bisschen in Geldprobleme.
Am Donnerstag wollten wir zu einem Amt um unsere Identifikationsnummer zu beantragen, die Kennitala. Aber Jonathan hat seine Dokumente auf sein Bett gelegt, um sie nicht zu vergessen. Und vergaß sie. Nächster Versuch am Freitag. Als wir da waren, hat die Dame nach einem Kontoauszug und der Krankenversicherung gefragt. Miloš, der als Freiwilliger bei AUS (Isländisches ICYE) arbeitet, meinte, dass die das sonst nie fragen und wir sind ersmal wieder gegangen.
Jetzt gehen wir nächsten Donnerstag (hoffentlich) hin. Bis wir diese Nummer haben, dauert es durchschnittlich 6 Wochen. Heißt also, es kann sein, dass wir sie schon nach 2 Wochen haben, vielleicht aber auch erst in 3 Monaten, so erzählten es uns einige WG-Mitbewohner. Und man braucht diese Nummer um ein Bankkonto zu eröffnen.
Bis dahin bekommen wir halt nur unser Essensgeld in Bar von knapp 150 €/mtl. was bei den hohen Preisen hier nicht besonders viel ist. Sparen ist also angesagt!

Zum Glück ist der Alkohol hier sehr teuer, sodass man sich eigentlich nicht traut, welchen zu kaufen.
Jonathan und ich sind nämlich zu einem Partywochenende angereist (obwohl das wohl jede Woche so sein soll).
Donnerstag war Rorys Geburtstag. Rory kommt aus Großbritannien und guckt fast jedes Rugbyspiel auf seinem Laptop (Apple-Nutzer würden mir jetzt vermutlich den Kopf abreißen.. Es ist natürlich sein MacBook). Anlässlich seines Geburtstags sind wir in eins der Schwimmbäder in Reykjavik gegangen.

In diesen Schwimmbädern muss man sich einmal komplett nackt duschen. Auch darf man die Umkleiden nach dem Schwimmen nur komplett trocken betreten. Diese Achtsamkeit auf Sauberkeit in Schwimmbädern ist ganz anders als in Deutschland.
Dann schlüpft man in seine Badesachen und geht raus. Draußen waren 0°C, perfekt. Denn die Schwimmbecken hatten ~40°C. Das. War. So. Unglaublich. Geil. :O
Schade, dass es nicht geschneit hat, das hätte dem Eis mit heißen Himbeeren noch die Sahne oben rauf gesetzt!
( Sollte ich meinen Gedankengang erklären? Eis: Außenluft; heiße Himbeeren: Wasser; Sahne: Schnee)

Zurück erstmal zum Geburtstag. Zu Hause gabs dann nämlich noch selbstgemachte Burger und die bereits erwähnten Pommes. Nomnomnom.
Freitag war dann die Abschiedsparty für Hannah, die in der Nacht wieder zurück nach Deutschland ist. Wir trauten uns doch und ließen 2 Flaschen Weißwein für uns kaufen, die 2200 ISK kosteten. Und ja, es waren die günstigsten Flaschen für 7,75 €. Aber es war trotzdem Wein der edelsten Sorte: Rheinhessen Liebfraumilch, 2013er Qualitätswein. Ein bisschen deutsche Heimat also.
Samstag Abend wurden wir dann noch auf eine isländische Party eingeladen. Da wir noch nicht 20 sind, konnten wir keinen Alkohol kaufen. Aber wir sind trotzdem hin. Dort wurden wir in die wichtigste Regel sofort eingewiesen: Jeder bringt seinen eigenen Kram mit. Es ist einfach zu teuer zum Teilen. Also mussten wir gezwungenermaßen diesen Abend nüchtern verbringen. Uns vielen auch ein Paar komische Gestalten in Trainingsanzügen und mit Vokuhila auf. Erst dachten wir, die 80er sind hier wohl erst angekommen, doch als dann Preise verteilt wurden, wurde klar, dass es eine Kostümparty mit dem Motto Adidas war. Jemand hatte sich sogar 3 Streifen in die Augenbrauen rasiert. Und sie tanzten auf die absurdeste Art und Weise zu den komischsten Liedern.
Isländer sind einfach anders als Deutsche. Doch sie haben großen Unterhaltungswert.


Schnee, Burger, Wein, Penisse, Vokuhilas.
Ein gelungener Start würde ich behaupten.

Morgen gehts los mit der Arbeit, drückt uns die Daumen!


Laura und Jonathan

Esja, der Hausberg Reykjaviks

in der Konzerthalle


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