Sonntag, 21. August 2016

Im Ford durch die Westfjorde (und anderswo)

Wir sind wieder "wieder da".
Knapp einen Monat haben wir den Blog jetzt unbeachtet gelassen und nun ändern wir das wieder.

Während unserer "Abwesenheit" waren wir noch einmal reisen, mit unseren Freunden Nell und Lukas.
3 Tage in den Westfjorden, 1 Tag Snæfellsnes und 1 Tag Golden Circle. Alles mit Zelten.

Tag 1: Am ersten Tag mussten wir am meisten Strecke hinter uns legen, um so viel wie möglich zu sehen. Der Tag lässt sich mit einer Zahl sehr gut zusammenfassen. 700. Kilometer. Das war die Strecke, die wir sowohl auf wunderbar asphaltierten Straßen als auch auf Schotterstraßen zurücklegten (natürlich mit adequaten Pausen). Als erster Eindruck von den Westfjorden ist mir instinktiv aufgefallen, dass es nicht zu vergleichen ist mit dem Rest von Island. Es ist ähnlich, aber doch komplett anders. Es ist so unglaublig hüglig und so verwinkelt. Fast schon verwunschen. Alles wirkt so riesig. Es begegnen einem tatsächlich (wer hätte das noch für möglich gehalten) NOCH weniger Autos als im Rest von Island. Immer mal wieder sieht man eine einsame Farm oder eine Ansammlung, die dann schon gleich eine Stadt ist. Aber ansonsten: Nichts, nur pure Natur. Riesige Berge direkt neben dem Wasser, sehr starke Abstufungen.  

Wir hatten uns vorab gut informieren lassen von den anderen Freiwilligen und haben es nicht bereut. Einer dieser Tipps führte uns über die 635er Schotterstraße, die aber den Aufwand sowas von wert war. Unterwegs begleiteten uns Raben und nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir am Ziel dieser kleinen Expedition an: Ein kleiner Fjord und am Ende einen riesigen Gletscher. Wunderschön, bombastisch, atemberaubend, unbeschreiblich. Nur ein paar der Worte, die mir durch den Kopf schossen. Die wahre Schönheit konnte kein Foto wirklich darstellen und genauso meine Worte leider nicht. Ich wünschte ehrlich, ihr hättet erleben können, was wir erlebt haben. Es war geradezu magisch.


Unsere Rast für die Nacht erreichten wir im strömenden Regen. Bis kurz davor hatten wir entweder nur ein paar Wolken oder Sonnenschein, aber als wir ankamen regnete es. Na toll. Schnell Zelt aufgebaut und alles nach einen Grill abgesucht. Gesucht gefunden. Danach gings ans Grillen (Im nunmehr nur noch leichten Nieselregen). Danach war es schon etwa 0 Uhr, da wir erst gegen 10 angekommen waren. Es war immer noch hell draußen und wir entschlossen uns, zur Feier des Tages in den Hotpot der Anlage zu begeben. Gute Entscheidung! Wir saßen im Endeffekt bis 3 Uhr nachts in dem Hotpot, beobachteten den Himmel und quatschten miteinander. Dann irgendwann gingen wir totmüde ins Bett. Wir hatten deutlich mehr an Strecke geschafft, als wir gedacht hatten, also schliefen wir aus.


 Tag 2: Putzmunter (als ob) fuhren wir dann irgendwann gegen Mittag los. Es ging erstmal weiter durch die verwunschene Fjordlandschaft. Unser erster "Sightseeing-Halt" war an einer eigentlich recht unscheinbaren Stelle. Nur ein paar Felsen mit seeeeeehr viel Seegras auf ihnen. ABER: auf den Felsen lümmelten Robben rum. Und wir konnten sogar recht nah rangehen. Echt niedliche Viecher.
Einige Tunnels, Berge und "Städte" später und viel viel Natur später kamen wir dann auch schon an unserem zweiten Schlafplatz an.
Der war echt der Hammer. Ich liste auf:
Ein Campingplatz
an einem Fjord
mit Klo
an einem Fluss
unter einem 100-METER HOHEN WASSERFALL
GRATIS




Der Wasserfall war echt unglaublich. Wir konnten bis direkt an das untere Becken des Wasserfalls rangehen. Von dort ging der Wasserfall noch weiter in Kaskaden von weiteren Wasserfällen. Genug geredet, ich lasse die Bilder für sich sprechen.
Es gab zwar leider keine Dusche, aber unser Plan war nicht zu duschen am nächsten Morgen, aber dafür an einem Hotpot unterwegs anzuhalten. Dazu gleich mehr.
Wir beendeten den Tag an einem der unteren Wasserfälle und machten uns dieses Mal vergleichsweise früh ins Bett, um am nächsten Morgen schnell unterwegs sein zu können. Unsere Handtücher waren zu diesem Zeitpunkt komplett durchnässt und auch meine Schuhe waren nicht mehr das, was man als trocken bezeichnen würde. Gutgläubig hängten wir alles über die Nacht über und ins Auto.

Tag 3:  Meine Schuhe waren nicht mehr zu retten. Komplett durchnässt. So wie alle anderen Sachen auch. Und ich hatte keine Ersatzschuhe dabei. Also fuhr ich nur in Socken. Dann kam der Sonnenschein. Wie gemacht für eine Reise zum westlichen Punkt Islands.
Unterwegs machten wir an dem vorhin benannten Hotpot Halt. Was für eine glorreiche Entscheidung. Es war ein kleines Becken mit warmem Wasser direkt am Fjord. Man musste nur 4 Meter laufen und schon hätte man im Nordatlantik baden können. Das taten Lukas und Ich dann auch. Zweimal. Herrlich.
Dann ging es weiter gen Westen. Eine wirklich sehr lange Schotterstraße später kamen wir an hohen Klippen an, bevölkert mit Möwen und Papageientauchern, die sowohl Laura und Ich noch nie so nah gesehen hatten. Wir hätten uns auf den Bauch legen, über die Klippen greifen und einen Papageientaucher berühren können. Wir setzten uns zu viert auf einen Vorsprung und genossen den Ausblick auf die einfliegenden Möwen und Papas (persönliche Namenskürzung). Sehr friedliches Bild, selbst mit dem ganzen Wind. 

Auf dem Rückweg hielten wir auch noch am "Roten Strand", wo sich vor uns ein riesiges Watt erstreckte. Schuhe hatte ich sowieso schon keine mehr an, also zog ich die Socken auch noch aus und ab gings. Die Anderen waren dem eher abgeneigt, also wanderte ich alleine am Rand und der Rest auf dem begrasten Wiesen, die das Watt säumten. Wir kehrten aber um, bevor wir das Ende der Wiesen erreicht hatten aus Zeitmangel. Zurück beim Auto trocknete ich meine Füße, stellte noch kurz die Schuhe raus zum Trocknen (Es war herrlicher Sonnenschein) und wir aßen noch eine Kleinigkeit. Tür zu und los. Ein paar Kilometer später fiel mir etwas auf. Meine Schuhe waren nicht mehr im Auto. Sie standen und stehen vielleicht bis heute noch auf dem Parkplatz. 

Der Rückweg war eher ereignislos, wir alle waren ausgepowert von den letzten beiden Tagen. 
Spätabends kamen wir wieder in Reykjavík an und legten uns sofort schlafen.

Tag 4: Die Reykjavík Gay Pride Parade war in der Stadt und es waren so unglaublich viele Menschen da, mehr als bei der WM oder den Panama Papers. Und das um Längen. Es war so bunt, so schrill, so laut,  jeder schien auf den Beinen zu sein. Hier werde ich ein Bild einfügen, dass dieses Event recht gut zusammenfasst.



Tag 5 und 6 werde ich nicht weiter auflisten, weil wir schon so oft darüber geschrieben haben.  Es hat sich nicht viel geändert dort, es ist immer noch die selbe abwechslungsreiche Halbinsel.
Nun ja, nicht ganz ereignislos. Als wir an der Spalte im Berg waren, trauten Lukas und Ich uns weiter hinein als wir jemals zuvor waren. Der Fluss wurde immer stärker, die Felsen steiler. Und die Felswände rot! Leider hatten wir keine Kameras dabei. Aber nächstes Mal! Es war eine vollkommen andere Erfahrung der Spalte. Sonst jedoch gibt es leider nichts Neues.
Irgendwann mussten Nell und Lukas dann aber auch wieder. 
Und dann waren wir wieder allein..
Naja, abgesehen won den anderen 7 Leuten in unserer WG.
Aber auch das wird sich bald ändern. Die alten Freiwilligen beenden jetzt so langsam alle ihr Jahr. Einer ist schon weg, die nächsten fliegen heute.
Wer weiß, was die Zukunft bringt.
Bis dann von Island, 
Laura und Jonathan





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