Mittwoch, 24. Februar 2016

Erste Eindrücke

Was haben wir am ersten vollständigen Tag in Reykjavík über Island gelernt?
1: Island ist deutlich teurer als Deutschland. Käse kostet (selbst der günstigste, den wir finden konnten) etwa 10€ pro Kilo. Schluckend blechten wir an der Kasse des Bónus' (Islands günstigste Supermarktkette) die 3000 Kronen für etwas Toast, Gemüse, Nutella und Milch, die Essentials eben.
Hatten wir doch mit einem Einkauf von umgerechnet etwa 10€ gerechnet, guckten wir erstaunt auf diese hohe Summe, die nach kurzem Umrechnen in unseren Köpfen zu der Erkenntnis wurden, dass wir soeben über 20€ ausgegeben hatten... Das saß tief. Vorerst nehmen wir uns vor, unsere Ausgaben einzuschränken.

2: Jeder Mensch in Island hat viel zu viel Platz. Jedes Haus, ich wiederhole: Jedes Haus hat seinen eigenen Garten. Als wir heute von Krístín abgeholt wurden, um unsere Kindergärten das erste Mal zu besichtigen, sahen wir unzählige Einfamilienhäuser mit Garten, alle jedoch momentan total verschneit. Dazu kamen noch die riesigen Lücken zwischen den Häusern, an Platz scheint es in Reykjavik nicht zu mangeln.

3: Die Isländer betreiben eine andere Art von Kindererziehung in ihren Kindergärten. So mussten wir zum Beispiel feststellen, dass die Kinder in Lauras 'Leikskólinn' bereits mit 3 Jahren über unser Sonnensystem aufgeklärt werden und zum Teil wissenschaftliche Experimente durchführen. Unglaublich. Da könnten sich unsere Kindergärten mal ne Scheibe abschneiden.
Einen starken Gegensatz zu diesem wissenschaftlich-orientierten Kindergarten bildet meine Einrichtung, die von einer Inderin geleitet wird, die 'Didi' genannt wird und die Kinder mit den neo-humanistischen Prinzipien von Prabhat Ranjan Sarkar erzieht. Also im Prinzip ein esoterischer Kindergarten. Die Kinder machen fast jeden Tag Yoga und ihnen wird sehr viel über innere Ruhe gepredigt und über die absolute Gewaltlosigkeit. Jedoch nicht von Didi, die spricht nämlich nur Englisch und kein Wort Isländisch... das übernehmen dann wohl die zahllosen Erzieher, inklusive mir. Die Arbeit beginnt für uns beide nächsten Montag und wir sind sehr gespannt.

4: In der Innenstadt von Reykjavík werden tatsächlich sowohl Gehwege als auch Straßen beheizt. Wir waren gerade auf dem Weg in die Einkaufststraße schlechthin, als uns auffiel, dass wir nicht mehr ständig ausrutschten. Nicht mal ein bisschen Schnee war noch da. Es war wie eine unsichtbare Linie, die jemand gezogen hatte. Wir wollten noch etwas für die morgige Geburtstagsfeier unseres WG-Mitbewohners kaufen. Zuhause angekommen guckte uns aus dem Gefrierfach schon die Gegenstände entgegen, es war kein Platz. Dennoch gab es ein zweites Gefrierfach, deutlich größer als das andere. Als wir es öffneten, trauten wir unseren Augen nicht. Vor uns schien das gesamte Eisreservoir von Island zu lagern. Ein paar Lebensmittel, eingeschlossen im ewigen Eis, guckten uns traurig entgegen. Pflichtbewusst fingen wir an, das Eisfach zu räumen, was sich als größere Aufgabe erweisen sollte, als wir angenommen hatten. Nach 2 Stunden und über 10 Liter Eis war das Gefrierfach endlich frei. Wir verstauten die (unglaublich gesunden) Pommes und legten uns erstmal auf die Couch, geschafft von der Arbeit. Zwischenzeitig hatten wir tatsächlich das Eis mit einem Hammer und einem Buttermesser als improvisierten Eispickel von den Wänden geschlagen. Die anderen WGler waren geradezu geschockt, dass jemand tatsächlich das Eisfach geräumt hatte. Sie versicherten uns, sie hätten sich dies schon seit November vorgenommen, hätten sich aber nie dazu durchringen können. Nach einigen anerkennenden Schulterklopfern und vielen "Thank you so much for the freezer" 's, sahen wir uns als vollwertige Mitglieder der WG bestätigt.

Gut genährt und glücklich begaben wir uns auf unser Zimmer.

to be continued.. 

2 Kommentare:

  1. Lieber Jonathan, schön zu wissen, dass Du selbst so unbeliebte Tätigkeiten wie Kühlschrankenteisung von ganz alleine in Angriff nehmen kannst, wenn es notwendig ist - dann klappt das mit der Selbständigkeit besser, als Eltern immer so denken. Die Waschmaschine geht auch recht leicht zu bedienen...Guter Einstand für Euch in die WG!

    Das mit den hohen Lebenshaltungskosten ist sicher schwerer. Aber Du hast ja das Kochbuch für Studenten mit und Ofenkartoffeln oder Kartoffelstampf gehen immer und sind viel günstiger, allerdings etwas mehr Arbeit.

    WO kommen denn die andere WGler her? Verständigt Ihr Euch auf Englisch?

    HIer hat es heute überraschend auch wieder mehrfach geschneit, war aber abends alles wieder weg nach einem morgendlichen Autobahnchaos.

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    1. Ja, das war mehr oder weniger eine umungängliche Aktion, alleine schon um unsere "Position" in der Wg zu festigen ;)
      Das mit den hohen Kosten kriegen wir schon irgendwie hin..
      Aaaaalso, wir haben hier hauptsächlich Europäer in der WG. Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland, Honduras sind hier direkt in der WG, aber generell kommen die anderen Freiwilligen aus allen Teilen der Welt.
      Schnee gibts hier momentan in Hülle und Fülle, auch wenn er in der Innenstadt schnell wieder schmilzt durch die Gehwegbeheizung.

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