Hallo und herzlich willkommen zurück auf unserem Blog, der sich ja mittlerweile häufiger Inaktivität erfreut.
Aber wir nehmen uns vor (so wie die vorbildlichen Blogger, die wir sind) wieder etwas Leben hier reinzubringen. Also, was ist seit unserem letzten Post alles passiert?
Samstag, 18. Juni:
Am Samstag waren wir auf einer Hochzeit eingeladen. Eine meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen, die gekündigt hatte, heiratete ihren Freund und alle ehemaligen Mitarbeiter waren eingeladen. Tagsüber haben wir nicht viel gemacht außer rumzuklönen und uns zu überlegen, wie wir zur Hochzeitsfeier hinkommen sollten und was wir anziehen würden (besonders Laura hat seeeeeehr lange für diesen Aspekt gebraucht).
Man muss dazu noch einmal erwähnen, dass die tatsächliche Hochzeit im engen Familienkreis stattfinden würde und wir zur Hochzeitsfeier abends eingeladen waren. Diese sollte gleichzeitig auch als eine kleine Abschiedsfeier dienen für alle Freunde und entferntere Verwandte (und für Laura und Mich). Die beiden Frischverheirateten wollten nämlich mit ihrem Kind im Sommer nach Malta ziehen und Island hinter sich lassen.
Aber zurück zu den Vorbereitungen. Während Laura überlegte, ob sie nicht doch lieber ein Kleid anziehen sollte oder vielleicht nur ein Top oder vielleicht einen Rock, hatte ich mich schon längst festgelegt: schwarzes T-Shirt und schwarzes Hemd. Fertig. Wohlgemerkt auch die einzigen "feinen Sachen", die ich mitgenommen hatte. In Deutschland hatte ich mir noch gedacht: "Wie wahrscheinlich ist es, dass du in Island auf eine Hochzeit eingeladen wirst? Oder auf ein Begräbnis? Lass den Anzug hier und nimm das schwarze Hemd mit, nur für den Fall."
Das war aber im Endeffekt auch eine sehr gute Wahl, die ganze Hochzeitsfeier war eher unkonventionell von der Kleidung. Kaum einer der Männer hatte einen Anzug an, die Frauen hatten sehr schlichte Kleider oderwasauchimmer an. Die Braut hatte einen (Zitat Laura: "Jumpsuit") in Schwarz an und schwarze (Zitat Laura: "Plateauschuhe") und hatte sich erst kurz vor den Feierlichkeiten ihren Arm zuende tätowieren lassen.
Die Feierlichkeiten fanden irgendwo im Norden von Reykjavík statt. Als wir an der angegebenen Adresse ankamen, wurden wir eher an ein Industriegebiet erinnert. Aber drinnen war eine richtig nette Bar/Brauerei, der sich tatsächlich als offizieller Veranstaltungsort herausstellte. Es gab einen riesigen Glasschrank, in dem jede Menge Bierflaschen ausgestellt waren. Die Tische aus alten Bierfässern waren ein wenig wackelig und wir waren eine der wenigen, die um 17 Uhr da waren, wie in der Einladung beschrieben. Selbst die Braut kam nach uns an (verflucht seist du, Deutsche Pünktlichkeit). Was die Tische an Wackligkeit besaßen, machte die Brauerei durch Freibier (aufgrund der Veranstaltung) wieder wett! Gratis-Essen und Alkohol, es war wie im Schlaraffenland. Wir saßen am selben Tisch wie meine jetzigen Mitarbeiterinnen, ebenso wie die gekündigten. Der Abend war echt der Hammer, wir hatten super viel Spaß einfach nur beim Quatschen (und trinken, verurteilt uns nicht). Etwa um 11 gings dann nach Hause, wir wurden alle freundlich gebeten, zu gehen. Eine der Damen unseres Tisches, die quasi nichts getrunken hatte, nahm uns sogar im Auto mit. Alles in Allem ein außerordentlich gelungener Abend!
Sonntag, 19. Juni:
Wir katerten uns aus und standen spät auf. Laura ging noch stricken und ich nutzte die Gelegenheit, um extra lange zu schlafen. Nächste Woche am Mittwoch und Donnerstag sollte unser "Mittelseminar" stattfinden, obwohl wir erst etwa 4 Monate hier waren. Egal, zwei Tage frei.
Am späten Nachmittag bekam ich dann noch eine Nachricht, von einer der Verantwortlichen aus unserem Austauschbüro und von der Leiterin aus meinem Kindergarten. Ich solle doch am Montag und Dienstag zuhause bleiben. Beide nannten dafür unterschiedliche Gründe, aber mir war es erstmal recht. Noch zwei Tage frei für mich!
Montag, 20. Juni:
Laura ging arbeiten und ich blieb zuhause, schlief etwa bis 12 Uhr. Ungewohntes Gefühl. Mein Tag bestand tatäschlich hauptsächlich aus Fußball gucken, schlafen und auf Laura warten.
Und, das hätte ich fast vergessen: Daraus, dass ich mein Portmonee abholen gehen konnte! Jemand hatte es tatsächlich gefunden und mich kontaktiert. Endlich hatte ich alles wieder und musste nichts neu beantragen! Ich hätte ihn ja auf ein Bier eingeladen, aber da es mir leider nicht möglich ist, hier Alkohol zu kaufen, gab ich ihm einfach das restliche Bargeld in meinem Portmonee (~7€) und bat ihn, sich selbst in meinem Namen ein Bier zu spendieren.
Montag war ein guter Tag!
Dienstag, 21. Juni:
Das Deutschlandspiel gegen Nordirland stand an. Wir wollten natürlich wieder zum Public Viewing, aber wir hatten eins nicht bedacht. Es gab gleichzeitig noch ein Spiel.. Ein Spiel von Polen.. Der größten Einwanderungsgruppe Islands... Im Nachhinein hätten wir da echt drauf kommen können und hätten uns den Weg gespart. So kamen wir nämlich Downtown an und stellten enttäuscht fest, dass das Polen-Ukraine Spiel gezeigt wurde. Wir also schnurstracks wieder zurück, verpassten fast die ersten 30 Minuten des Spiels und schalteten quasi in dem Moment ein, als Gomez das einizige Tor der Partie verwandelte. Es war auch hier nett, aber Public Viewing kann man nicht toppen!
Mittwoch, 22. Juni:
Erster Seminartag. Großes Beisammensitzen und über den Freiwilligendienst erzählen, eigene Erfahrungen, etc.
Sonst tatsächlich nicht viel. Das Highlight des Tages war, als wir danach alle zusammen zum Islandspiel gegangen sind.
So viele Leute waren da. Unglaublich.
Und obwohl mehr Leute da waren, schien es so als wäre es ruhiger als beim Spiel davor. Vielleicht waren viele demotiviert, dachten, Island könne nicht gewinnen. Beim 1:0 explodierte der Platz förmlich. Der Sieg und damit der Einzug ins Achtelfinale, war zum Greifen nahe. Die Stimmung hebte sich allgemein. Unsere Gruppe war dabei tatsächlich eine der größten Stimmungsmacher. Bei dem verdienten 1:1 von Österreich herrschte absoulute Stille. Allen war klar, das würde nicht reichen. Die Hoffnung sank auf einen Tiefpunkt. 4 Minuten Nachspielzeit. Das Spiel war für die Meisten gelaufen. Manche verließen den Platz. Aber sie alle sollten eines Besseren belehrt werden. Etwa 30 Sekunden vor Schluss ein letzter Vorstoß der Isländer, alle Österreicher im isländischen Strafraum. Sprint nach Vorne, Pass, Tor.
Was danach kam, ist bestenfalls als ohrenbetäubender Lärm zu bezeichnen. Alle sprangen auf und schrien sich die Seele aus dem Leib. Der Fußballkommentator verlor vollends seine Stimme und quiekte nur noch fast unverständlich.
Es war Chaos pur. Aber ein gutes Chaos! Alle waren gut gelaunt, es wurde gefeiert und getanzt.
Donnerstag, 23. Juni:
Zweiter Seminartag. Ein Seminar und viel Informationen zum Thema: Menschenrechte. Alle tauschten sich darüber aus, wie es in ihrem Land mit Menschenrechten steht und ob sie selber schon einmal das Gefühl hatten, dass ihre Menschenrechte verletzt wurden. Überweiegend waren dies natürlich positive Berichte, aber bei dem Freiwilligen aus Mexiko gab es über die Narcos (illegalen Drogenmafias) viel zu berichten. Ich will nicht zu viele Details geben, aber es beinhaltete verstümmelte Leichen. Um nochmal auf die Situation Islands zurückzukommen: alle ärgern sich hier immernoch über die Panama Papers. Die Italienerin in unserer WG meinte dazu nur, dass sie sich freut, dass die Isländer sich darüber noch ärgern können. Die drei Lateinamerikaner stimmten dem nur zu.
Danach waren wir alle zum Grillen bei der Chefin von AUS eingeladen. Dort ließen wir entspannt den Tag ausklingen.
Freitag, 24. Juni:
Der Tag nahm seinen Lauf, die Gewerkschaft hat wohl auch bei Lauras Kindergarten angerufen, um mal nach dem Rechten zu fragen. Die ganze Situation scheint sich hier etwas hochzuschaukeln. Aber wir werden sehen wie es endet. Sonst ist leider nicht viel passiert, Laura war arbeiten und Ich zuhause.
Samstag, 25. Juni:
Wir haben wieder was zu erzählen!
Wir waren auf einem Konzert. Auf einem Berg. Im Nebel.
Aber Eins nach dem Anderen. Wir fuhren alle zusammen los um 12, es sollte um 2 losgehen.
Nach einer Busfahrt von etwa 20 Minuten standen wir dann auch schon am Fuße des Berges Esja, nicht weit entfernt von Reykjavík. Unten wurde schon Musik gespielt und alles war gepflastert von Menschen mit grellgelben Sicherheitswesten. Unverzagt wagten wir den Aufstieg, mit uns gefühlt halb Reykajvík. Der Anstieg war anstrengend, sehr anstrengend. Der Berg ist steil und sehr steinig, keine leichte Sache. Die niedrig hängenden Wolken machten das Ganze auch nicht besser, man konnte nicht sehr weit sehen, vor allem nicht ins Tal hinein. Dafür waren wir bis zu einer gewissen Höhe umringt von Lupinen, die alles Lila umragten.
Nach etwa anderthalb bis zwei Stunden Abrackern waren wir dann auch oben, auf einem kleinen bemoosten Plateau, wo schon einige Schaulustige waren. Die Musik war so GAR NICHT mein Fall, Elektrodingsbumsichweißnichtwieichesnennensoll.
Dazu kam noch der konstante Nebel/Nieselregen, alle waren klitschnass und es war arschkalt. Wir ruhten uns aus und verließen nach einer guten halben Stunde die Truppe, weil das Wetter und die Musik uns nicht zusagte. Trotzdem war es gute körperliche Ertüchtigung, nach oben zu laufen, noch bereuten wir nichts. NOCH.
Unten gings deutlich schneller als hoch. Es ging aber deutlich mehr auf die Oberschenkel, weil man sich ständig davon abhalten musste, nicht runterzufallen. Aber man konnte mehr sehen!
Unten angekommen, wollten wir den Bus nehmen, der um 16:20 kommen sollte. Der nächste würde erst um 19:17 erscheinen. Der Bus kam (12 Minuten zu spät) an UND..... fuhr einfach an uns vorbei. Fassungslos schauten wir ihm noch hinterher, einige riefen ihm noch Verwünschungen nach. Das saß.. sollten wir jetzt ernsthaft 3 Stunden warten? Es gab Gerüchte über einen Ersatzbus, der aber niemals kommen sollte..
Im Endeffekt schlossen wir uns mit einigen Mitleidenden zusammen und liefen gut anderthalb Stunden zur nächsten Bushaltestelle, an der auch andere Busse hielten. Wäre ja okay gewesen, wären wir nicht schon davor so lange gewandert... Aber wir haben uns durchgebissen und sind im Endeffekt knapp eine halbe Stunde früher als der Rest angekommen, die sich mit dem Auto haben fahren lassen...
Etwa um 7 waren wir da und fielen todmüde ins Bett.
Wir schworen uns, am Sonntag nicht das Haus zu verlassen.
Sonntag, 26. Juni (Heute):
Und diesen Schwur halten wir!
Wir liegen rum, bearbeiten Bilder, schreiben, lesen, etc.
Das 3:0 von Deutschland haben wir auch gemütlich aus dem Bett verfolgt.
Wir genießen unsere Zeit hier immer noch in vollen Zügen und freuen uns unglaublich auf die Sommerferien, wo wir die Insel bereisen wollen.
Noch eine Woche arbeiten.
Mit feucht-fröhlichen Grüßen,
Laura und Jonathan





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