Freitag, 17. Juni 2016

Áfram Ísland!

Da sind wir wieder!
Es wird mal wieder Zeit, nicht wahr?

Bei uns läuft alles wunderbar.
Das Auto mit den gruseligen Puppen drauf
In meinem Kindergarten haben wir jetzt schon zwei neue Kinder, sie schlagen sich ganz gut. Gestern sind wir zu einer Puppenshow im Park gegangen. Es sah so aus als ob alle Kinder aus Reykjavík gekommen sind. Aber da wir nur mit 8 von 22 Kindern dahin sind, fehlten also mindestens 14. Mit denen gehen wir nächste Woche nochmal hin. Die Puppenshow soll es bereits seit 14 oder 40 Jahren da geben, ich weiß es nich mehr genau. Was ich aber weiß, ist, dass die Puppen irgendwie ein bisschen gruselig aussehen... Zum Glück saßen wir aber ziemlich weit hinten. Ansonsten kämpfe ich grad für laktosefreies Mittagessen für mich, da immermal Milchreis oder Skyr auf dem Tisch kommt, und da ich "nicht zahle wie die Eltern der anderen Kinder" (Zitat vom Koch), bekomme ich auch nichts laktosefreies... Die Diskussion läuft noch.
Bei Jonathans Kindergarten geht alles seinen Gang. Zwei Mitarbeiter wurden von heute auf Morgen gefeuert. Darunter die, die das alles ins Rollen gebracht hat. Und "von heute auf morgen" bedeutet eine E-Mail am Samstag, dass die Herschaften doch bitte am Montag nicht mehr zur Arbeit kommen sollen. Diese Chefin versteht was von Herzlichkeit. Dadurch herscht jetzt aber ziemliches Chaos, da in einer Gruppe 3 Leute arbeiten, die maximal 1 Monat Erfahrung haben.
In meinem Kindergarten habe ich auch viel davon erzählt. Heißt, es kommt vielleicht noch eine Klage von da aus. Ein Kind in Jonathans Kindergarten bekommt aufgrund einer Laktoseintolleranz und Glutenunverträglichkeit jeden Tag nur Reis. Das verstößt gegen das Gesetz, da das Kind nicht genügend Nährstoffe bekommt. Dem Chef meines Kindergartens ist komplett egal, was der Kindergarten sonst so für Probleme hat, ihm geht es da nur um das Wohle des Kindes. Jonathan und ich haben uns da auch schon Sorgen gemacht, aber "mein Chef" lässt da jetzt mal seine Kontakte spielen.

In der WG gibt es nicht viel Neues. Letztes waren die Eltern von einem der Briten da. Am Abschiedsabend haben sie für alle Chilli gekocht, das war lecker! Für den Nachtisch haben ein paar andere noch Kuchen gebacken. Noch zwei Tage später hatten wir ganz viel davon.
Für unser Zimmer habe ich eine Lampe gebastelt. Wir hatten nämlich nur eine langweilige Glühbirne dort hängen. Ich hab einfach Schnur mit weißem Bastelkleber um einen Ballon gewickelt und das ganze trocknen lassen. Sieht gar nicht mal schlecht aus.

Letztes hatten wir auch leider unsere letzte Sprachkursstunde. Aber auch da haben wir schön Kuchen gegessen und einfach gequatscht. Ich habe einen Süßkartoffelbrownie gebacken, habe dafür bestimmt eine halbe Stunde eine Süßkartoffel geraspelt.

Ansonsten verfolgen wir natürlich gespannt die EM. Wir waren sogar zum ersten Spiel der Isländer auf der "Fanmeile". Die ist natürlich "ein bisschen" kleiner als in Berlin, aber sie war unglaublich voll. Und man kann sagen was man will, Island ist zwar klein, aber die Menschen sind riesig. Fand ich jedenfalls, da ich immer irgendjemanden großen vor mir stehen hatte. Oder ein Kind, das auf eine Laterne geklettert ist. Neidisch war ich ja auf die, die auf die Dächer der Imbisse geklettert sind am Ende des Platzes. Erst saßen da 5 Leute, am Ende standen auf beiden Dächern mindestens je 30 Leute. Doch noch vor Ende der ersten Halbzeit wurden die Dächer geräumt. Schade, da hätte ich mich das nächste Mal gern hingesetzt.
Gefeiert wurde das 1:1 wie ein Sieg. Generell war die Stimmung durchgehend erheitert, alle waren voller Euphorie und die hat einen einfach mitgerissen. Und laut Jonathans Aussage waren die Trommler sehr viel ausgefallener als die in Berlin. Wenn ich grad nichts sehen konnte, habe ich zur Musik getanzt. Also so 70% des Spiels. Am schönsten war eigentlich immer die Reaktion von Ronaldo.
Und wenn ihr zu Hause ganz laut die Isländer anfeuern wollt: Àfram Ìsland!!! (Aufram Island)

Menschen auf den Dächern



 
zwei Minuten nach dem 1:1


nach dem Spiel

Das erste Deutschlandspiel haben wir noch zu Hause verfolgt, das zweite gestern dann auf dieser Fanmeile. Die Polen sind die größte Einwanderungsgruppe Islands... Ihr konnt euch also denken von welcher Manschaft mehr Fans da waren. Vor dem Spiel wurden Preise verteilt mit einer Lostrommel und dann für die besten Outfits. Da nicht so unglaublich viele Deutsche da waren, reichte es also für Jonathan und er gewann den Preis des am zweitbesten verkleideten Deutschen, obwohl er sich nur eine Fahne um die Schultern gehängt hat. Er bekam einen Korb mit polnischen Süßigkeiten. Die teilten wir Freundschaftlich mit den anderen Deutschen, zu denen wir uns gesellten. Ein bisschen "Respekt" bekam man schon vor einigen polnischen Fans vor Ort. Eine Gruppe muskelbepackter Jogginghosenträger stand fast direkt neben uns. Sie kifften in einer Tour und gröhlten mit am lautesten. Kurz nach Anpfiff zeriss und schmiss einer unsere auf den Tisch gestellten Deutschlandfähnchen runter und stellte sich demonstrativ auf sie drauf. Dabei stand er natürlich auch voll im Weg und wir konnten nichts sehen. Eine andere Deutsche versuchte ihn aufzufordern aus dem Weg zu gehen, doch der Typ lachte nur und bewegte seinen Fuß auch keinen Milimeter von der Fahne runter. Alle am Tisch rieten ihr, ihn in Ruhe zu lassen und wir machten ihr auf der anderen Seite des Tisches mehr Platz zum hinsetzten. In der Halbzeit stellte sich heraus, dass diese "andere Deutsche" die Frau des Botschafters war. Und ja, somit schlussfolgert ihr richtig, wir haben also den Deutschen Botschafter kennen gelernt. Was sagt man dazu.
Die Polen waren zahlenmäßig und auch von der Lautstärke weit über uns Deutschen, wir verfolgten einfach nur still und gespannt das Spiel. Aber keiner der anwesenden Landsleute war so wirklich begeistert...
Nunja, das Spiel war nicht sehr befriedigend, aber wir haben an diesem Abend den Deutschen Botschafter, seine Frau, seine Sekreterin, eine WDR Journalistin im Urlaub und einen Typen aus Südbaden kennen gelernt. Es waren naürlich noch mehr Deutsche da, so allein waren wir doch nicht. Aber nur einer traute sich auch mal was zu rufen: Südbaden!!! ertonte es gelegendlich.

Heute ist der Unabhängigkeitstag Islands.
Kurzer Geschichtshintergrund:
Island war lange lange Zeit unter der Herrschaft Dänemarks. Nach der Besetzng Dänemarks durch die Deutschen Nationalsozialisten haben die Nazis Island einfach erstmal vergessen. Die Briten und Amerikaner kamen, um die erneute Besetzung zu verhindern und den Weg zur Unabhängigkeit zu unterstützen. Am 17. Juni 1944 wurde dann also auf dem Þingvellir die Unabhängigkeit vor dem Islandischen Volk verkündet und gefeiert.
Wir haben an diesem besonderen Tag unsere Unabhängigkeit auch gefeiert, indem wir mal wieder aufgeräumt haben. Wer unabhängig ist, muss ja auch allein putzen.

Dann gibts bei dem ganzen noch schlechte Nachrichten. Jonathan wollte letztens mal nett sein und hat jemandem die Tasche zurückgebracht, die im Bus vergessen wurde. Dabei hat er nun leider sein Portmonee im Bus verloren. Mit allem was drin ist: Busfahrkarte, islandische Bankkarte, deutsche Bankkarte, Ausweiß, Führerschein... Die Karten haben wir gesperrt, aber wegen den anderen Dokumenten ist das so ein Problem, man kann ja leider nicht einfach beim Bürgeramt anrufen und sich das herschicken lassen. Naja, wir arbeiten dran und hoffen, dass ein freundlicher Isländer das Portmonee gefunden hat und es bald zurück kommt.

Das wars dann erstmal wieder. Wir wünschen euch dann mal noch einen schönen Abend und seit nicht traurig, auch hier ist das Wetter mies!

Áfram Ísland!
Laura und Jonathan




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