Ich war letzte Woche bei einer Vorlesung im Museum über die isländischen Weihnachtstraditionen, damals und heute. Und ich dachte mir, euch könnte das auch interessieren.
Also an den Anfang:
Der Winter in Island ist dunkel und geprägt von stürmischem Wetter. Nicht sehr gute Vorraussetzungen für eine friedliche, besinnliche Weihnacht. Damals hatten die Isländer sogar noch mehr Angst als sonst.
Zum einen die Wintersonnenwende, bei der das Tor zwischen unserer Welt und der übernatürlichen am weitesten geöffnet sein soll.
Außerdem wurde das verrückte isländische Wetter auf Naturgeister zurückgeführt. Diese kamen dann zusammen mit dem Schnee die Berge runter in die Täler zu den Farmen der Bauern.
Dabei muss man anmerken, dass es bei den ganzen Wesen hier noch Unterschiede gibt. Naturgeister sind nicht das gleiche wie Elfen und Trolle. Auch sind die Unsichtbaren Leute etwas Anderes.
Und auch die Toten bleiben in den Sagas nicht unerwähnt.
Zum Beispiel gibt es eine Geschichte, wo jedes Jahr zu Weihnachten die Toten aus den Gräbern kamen und sich mit ans Weihnachtsfeuer gesetzt haben. Die Familie hat dann, nachdem das Zunageln der Tür nichts gebracht hat, angefangen, den Toten ein eigenes Feuer zu geben, damit beide Parteien friedlich feiern konnten.
Oder die Geschichte, wo ein Mann eine Frau zum Weihnachtstanz einlädt, aber auf dem Weg nach Hause stirbt. Als Geist möchte er natürlich diesen Tanz auch machen, nur seine Geliebte lehnt es ab. So kam er jedes Weihnachten wieder, bis sie endlich mit ihm tanzte und er in Frieden sein konnte.
Auch die Unsichtbaren Leute haben eine Geschichte.
Jedes Jahr zu Weihnachten gehen die Familien in die Kirche, und einer muss dann natürlich zu Hause aufpassen. In einem Jahr kam eine Familie dann zu ihrem Hof zurück und die aufpassende Person war weg. Im nächsten Jahr das gleiche, im dritten Jahr wollte dann natürlich niemand mehr aufpassen. Aber ein Fremder stellte sich bereit, aufzupassen. Als die Familie weg war, versteckte er sich und wartete. Irgendwann hörte er Geräusche und als er aus seinem Versteck kam, sah er die Unsichtbaren Leute ein großes Weihnachtsfest machen, mit vielen Speisen und Gesang. Er verjagte sie und sie kamen nie mehr wieder.
Aber da sieht man, dass alle beim Weihnachtsfest dabei sein wollten. Und so werden sie auch heute noch in das Weihnachtsfest integriert und besämftigt. Bei uns gibt es den Totensonntag im November, hier werden zu Weihnachten Kerzen auf die Gräber gelegt. Auch laufen manche Menschen um ihre Häuser und reden mit den Elfen und co., geben ihnen die Erlaubnis zu bleiben oder zu gehen, aber den Menschen kein Leid zuzufügen.
Grundsätzlich machte die Finsternis und Kälte alle sehr viel nervöser. Und generell galt für die nordischen Geister, dass sie eher nahmen als gaben.
Daher waren diese Weihnachtstrolle auch nicht die nettesten. Hier einmal ein Überblick.
12. Dezember: Stekkjastaur - Schafschreck, versucht die Milch der Schafe zu trinken was bei seinen steifen Knien sich recht schwierig erweist.
13. Dezember: Giljagaur - Schaumschuft, stielt die Milch der Kühe (vor der Zeit der Melkmaschine)
14. Dezember: Stúfur oder Pönnuskefill - Dieser "Knirps" ist für das Auslecken der Reste aus den Pfannen bekannt.
15. Dezember: Þvörusleikir - Löffellecker. Leckt Löffel ab. Ganz simpel.
16. Dezember: Pottasleikir - Fast alles ist sauber, der Topflecker macht seine Arbeit.
17. Dezember: Askasleikir - Jetzt werden noch die Reste aus den Holzschalen vernascht.
18. Dezember: Hurðaskellir - Der Türschläger. Recht lauter Geselle.
19. Dezember: Skyrgámur - Der Skyrschlund ist all den leckeren Skyr auf.
20. Dezember: Bjúgnakrækir - Der Wurststibitzer liebt und klaut alle Würstchen im Haus. Bjúga ist eine dicke Wurst aus Lamm, Pferde und Schweinefleisch. Schmeckt echt lecker!
21. Dezember: Gluggagægir - Fenstrglotzer, unstillbarere Neugier, guckt durch jedes Fenster. Lieber nichts rumliegen lassen, wenn ihm was gefällt, dann nimmt er es sich.
22. Dezember: Gáttaþefur - Türschlitzschnüffler. Mit seiner großen Nase liebt er den Geruch von Kuchen und folgt dem Geruch. Manchmal lässt er auch was mitgehen.
23. Dezember: Ketkrókur - An diesem Tag gibt es traditionel geräuchertes Lamm, wenn der Keulenklauer es nicht gerade geklaut hat. PS: In vielen Familien gibt es am 23. aber auch Stinkefisch.
24. Dezember: Kertasníkir - Früher wann Kerzen das hellste Licht und leider recht wertvoll. Alle Kinder bekamen daher eine Kerze geschenkt und der Kerzenschorrer wollte natürlich auch eine haben.
Natürlich haben diese Weihnachtstrolle auch eine Mutter Grýla, die beliebteste unter allen. Sie frisst nämlich alle unartigen Kinder.
Ganz ähnlich ist auch die Jólaköttur, die Weihnachtskatze. Sie frisst alle auf, die an Weihnachten keine neuen Klamotten tragen.
Heute sind die Herrschaften ein bisschen netter geworden und hinterlassen nach ihren Späßen auch kleine Geschenke in den Schuhen der Kinder - oder harte Kartoffeln, wenn man unartig war.
Das Nationalmuseum setzt sich übrigens dafür ein, dass der Klischee Coca Cola Santa wieder durch das traditionelle Bild der Jólasvein ausgetauscht wird.
Alle Weihnachtsmänner bleiben dreizehn Tage, am 6. Januar sind wieder alle Weg und das wird groß gefeiert mit Weihnachtsbaumverbrennen und dem Zünden der Silvesterüberreste.
Jetzt noch eine interessante Frage:
Warum eigentlich dreizehn?
Das liegt am alten Kalender. Der alte Kalender war 13 Tage zu kurz, somit wurden dreizehn Tage rangehangen. Aber die Menschen wollten nicht länger auf das Weihnachtsfest warten. Also fing es 13 Tage vorher an. Problem gelöst.
Hier noch ein paar Links, falls ihr noch mehr lesen und sehen wollt:
Die 13 isländischen Weihnachtsmänner - inreykjavík.is
Iceland Is Weird But So Great #6 Yule Lads - Youtube
Hey, It's those Yule Lads! - Reykjavík Grapevine
Und ein bisschen Musik darf auch nicht fehlen!
Íslensk Jólalög
Íslensk Jólalög für Kinder
Wir wünschen ein frohes Weihnachtsfest!
Jonathan und Laura

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