Sonntag, 29. Mai 2016

Multi-Kulti und versuchter Mord

Hallo hallo,
wir melden uns wieder aus dem bewölkten und regnerischen Island zurück.
Die Kinder in meiner Kindergartengruppe fangen an, immer mehr zu reden, was sehr angenehm für mich ist. Ich werde nämlich jetzt mal langsam etwas herausgefordert mit meinen Isländischkenntnissen. Auch mit den Erziehern unterhalte ich mich (wenn möglich) auf Isländisch. Natürlich klappt das nicht so ganz, deshalb ist es ein Englisch-Isländisch-Mix, der bisher aus etwa 20-30% Isländisch und 70-80% Englisch besteht. Aber ich arbeite daran, diese Diskrepanz zu verkleinern, wenigstens vielleicht auf 50/50.
Der Junge, der schon längere Zeit Anpassungsprobleme und gewalttätige Tendenzen hatte, hat sich letzte Woche selbst übertroffen. Er hat eins der anderen Kinder gewürgt. An sich schon fast nichts Besonderes mehr, das macht er schon recht häufig. Aber dieses Mal hat er so doll zugedrückt, dass das andere Kind nicht mal mehr schreien konnte, sondern nur Röcheln. Zum Glück ist uns das Röcheln aufgefallen, sonst wäre vielleicht wer weiß was passiert. Es wurde mittlerweile auch eine Psychiaterin eingeschaltet, die soll ihm jetzt ein wenig helfen, das zu unterbinden. Dennoch ist er so lang tendenziell eine Bedrohung für die anderen Kinder, was die Chefetage nicht so ganz einsehen will. Auch die Eltern der ganzen Anderen wissen von nichts.
Aber nun zu einem schöneren Thema:
Es gab eine Parade in Reykjavík!
Eine Multi-Kulti-Parade! (die hieß tatsächlich so)
Der Bürgermeister und eine kleine Ansprache vorab
Die Parade begann gestern etwa um 13 Uhr an der Hallgrímskirkja und ging bis runter zur Harpa. Viele viele Einwanderer erster und zweiter Generation hatten die Flaggen aus den Kellern geholt und (wenn vorhanden) traditionelle Kleidung angezogen. Vor allem aus dem hinterasiatischem Raum waren viele Länder vertreten. Nepal, Thailand, Vietnam, etc.
Einige wenige europäische Länder waren auch da, aber nicht eine Deutschlandflagge. Naja, Touristen nehmen eben keine Flaggen mit. Und wir haben auch erst am Treffpunkt drüber nachgedacht.
Das Video ist leider wieder nicht so gut geworden, Blogger scheint Videos nicht sehr zu mögen...
Die Parade an sich war aber sehr kurz und sehr nett, der Bürgermeister der Stadt war auch da und lief nur etwa 4-5 Meter vor uns. Ein sehr freundlicher und entspannter Mensch, er soll wohl letzte Woche ein paar Leute aus dem Büro zu Waffeln zu sich nach Hause eingeladen haben, undenkbar in Deutschland. Alle hatten einen Riesenspaß, es wurden Fahnen geschwenkt und die beiden Marschkapellen, die auch dort waren, lieferten sich ein "Musikduell". Ein oder zwei Polizisten begleiteten die Parade auf ihren Motorrädern, ab und zu durften auch kleine Kinder mitfahren. Unglaublich entspannte und freundliche Stimmung.

Angekommen an der Harpa gab es schon 2 Zelte draußen, wo sich viele Stände tummelten mit landestypischem Essen, manches davon sogar gratis. Es wurde viel gesungen, gegessen und gelacht. Drinnen gab es noch mehr Stände, nicht für Essen, sondern für alles Mögliche. Länder konnten an ihren Ständen Reisebroschüren austeilen, manche verkauften Kunst, Bücher, Musik, etc. Auch die Lögreglan, die Polizei, hatte ihren eigenen Stand und warb für sich.
Ein paar kurze Fakten zu Islands Polizei:
Kein isländischer Polizist trägt eine Handfeuerwaffe mit sich, nur einen Schlagstock, Pfefferspray und Handschellen. Trotzdem haben alle eine Ausbildung genossen im Umgang mit Feuerwaffen, da in den abgelegeneren Gebieten Waffen in den Polizeiautos sind. Diese dürfen jedoch nur hervorgeholt werden in absoluten Notsituationen. Die Polizei in Island hat in der ganzen Zeit, in der sie besteht nur einen Menschen und 5 Eisbären erschossen.
Naja, weiter im Text. Innen war alles voll mit Ständen, jeder hatte etwas anzubieten, es war eine unglaublich bunte Mischung. Wir bummelten etwas herum, ließen uns von der Menge treiben und gingen dann irgendwann wieder. Während dessen haben wir immer versucht, Flyer der Organisation zu verteilen. Da aber die gesuchte Altersgruppe sich nicht in der Harpa aufhielt, schlenderten wir noch durch die City und verteilten Flyer so gut es ging: in Restaurants, an ein paar Jugendliche im Buchladen, sogar einem Nagel an der Wand gaben wir einen Flyer. Wir gingen noch einkaufen und dann wieder zur WG, da eine Pizza-Party angesagt war.
Eine exzellente Idee, mal ganz am Rande, sehr weiterzuempfehlen!
Selbstgemachter Teig, selbstbelegt, super lecker.
Sehr netter Abend, definitiv. Dann hauten wir uns auch schon in die Kojen.
Ein schöner Tag ging zu Ende.
Heute wird ein eher fauler Tag, Laura strickt und malt, ich schreibe.
Apropos, Island wird langsam richtig grün! Die Wiesen und Bäume ergrünen und geben der Stadt ein ganz anderes Ambiente. Zusätzlich dazu wird es ja nicht mehr dunkel, in Kombination mit dem Grün sehr angenehm.

Bis dann vom großen, grünen Juwel des Atlantiks,
Laura und Jonathan

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