Dienstag, 22. November 2016

Teil 1: Mit zwei Klapperkisten durch Snæfellsnes

Seit kurzem haben wir ja 5 neue Mitbewohner und ein paar weitere verstreute neue Freiwillige hier. Für die ging es ja sofort los mit dem Arbeiten. Da hat man jetzt noch nicht so viel von Island gesehen.
Also entschieden wir recht spontan am ersten Oktoberwochenende einen Trip nach Snæfellsnes zu machen, da sieht man viel in kurzer Zeit. Perfekt also für erste Eindrucke.

Zwei Klapperkisten gebucht bei unserer "Lieblingsautovermietung" und dann ging's los.
2 Autos, 10 Leute, 2 Tage Zeit.

Wir tuckerten los.
Es war echt schwer zusammen zu bleiben im Reykjavíkschen Straßenverkehr. Und danach auch. Das hinterherfahrende Auto hatte vermutlich einen Fehler im Tacho. Denn beide Autos fuhren die erlaubten 90, doch trotzdem viel das hintere Auto immer und immer weiter zurück. Jonathan musste die ganze Zeit 70 fahren, damit wir die anderen nicht verloren.
Der auf der Strecke schon standardmäßige Einkaufsstopp Borganes wurde auch genutzt, dann wollten wir weiter. Doch am Campingplatz dort war irgendwas los... Da waren ganz viele Leute. So hielten wir und sahen, dass draußen im Watt ein Wal lag. Anscheinend war er zu langsam als die Ebbe kam. Aber beruhigend stellten wir fest, dass er sich noch bewegte. So sahen die anderen, die noch nie einen Wal in freier Wildbahn gesehen haben, zum Glück  keinen toten Wal. Nur einen, der so halb im Sterben lag. (Update: auf dem Rückweg am nächsten Tag war er nicht mehr da, er hat es wohl doch wieder raus geschafft)
Und dann ging es weiter.
Erster Stopp war dann Ytri-Tunga, wo recht viele Robben herumlagen, als ob sie sich unter den Wolken sonnten.
Beim Riss im Berg, Rauðfeldargjá, überwand eine Freiwillige ihre extremen Höhenängste und kam mit hoch, auch wenn nicht allein. Ich traute mich diesmal sogar in die Höhle rein zu klettern, aber das ging auch nur mit Hilfe von Jonathan. Denn so einfach war diese Kletterpartie nämlich auch nicht. Innen drin war aber ein kleiner Wasserfall. Und es hat schon was so in einem riesigem Riss drin zu stehen.
Dann ging es nach Hellnar. In diese Basaltgrotte verirrte sich auch ein Hochzeitspaar, was bei Eiseskälte und tiefen Rückenausschnitt (zumindest bei der Braut) tapfer Fotos schießen ließ.
Weiter zu einem meiner Lieblingsorte. Der Djupalónssandur. Wir blieben eine Weile da und sahen auf die unruhige See.
Dann gings lange Zeit nur gerade aus durch den Nationalpark. Irgendwann erreichten wir noch den Kirkjufell, wo wir nochmal kurz den Wasserfall bestaunten und den schon recht perfekt geformten Berg.
Wir nächtigten im uns bekannten Harbour Hostel in Stykkishólmur. Dort musste erstmal Abendbrot gekocht werden für 10 hungrige Leute. Da werden selbst Nudeln zu einem echt schwer zu kochendem Gericht. Bis das Wasser in diesem überdimensional riesigen Topf gekocht hat (der war bestimmt über einen halben Meter hoch), hat es wahrscheinlich eine halbe Stunde gedauert... Nachdem auch das Gemüse fleißig geschnippelt und gekocht war, konnte endlich gegessen werden.
Trotz der großen Truppe, der Selbstbedienungsbar und des Samstagsabends, gingen wir alle früh ins Bett.

Am nächsten Tag ging es nach einem Frühstück in sehr großer Runde wieder zurück, mit Abstechern.
Unser Weg führte uns über Snæfellsnes' östlichen Bergpass. Der Herbst hatte zurzeit seine Hochphase, sowieso war alles überall in den buntesten Herbsttönen. Da oben war es soooo schön, dass wir anhielten und ich voller Euphorie ohne Jacke aus dem Auto sprang. Hier ein Foto, da ein Foto und weils so schön ist nochmal da von ein Foto. Während die anderen noch kurz die Szenerie bestaunten, ging ich zurück, da es dann doch eeetwas kalt wurde. Sobald ich dann im Auto saß, fing es an zu schütten. Fast panisch rannten die anderen zu den Autos zurück, wo ich grinsend und trocken schon saß.
Dann ging's weiter Richtung Süden, bis wir zum Hraunfossar ab bogen, der Wasserfall, der aus einem Lavafeld kommt. Bei dem kann ich mich auch nicht wirklich entscheiden, zu welcher Jahreszeit er schöner aussieht.
Wir wollten diesmal nicht den Tunnel unter dem Hvalfjörður nehmen, wie auf dem Hinweg, sondern den Fjord entlang fahren. So nahmen wir eine "Abkürzung", eine Schotterstraße. Auch wenn sie ein gutes Stückchen lang und stellenweise nicht einfach zu fahren war, hat es sich gelohnt: die ganze Landschaft leuchtete rot und orange. Zwei oder drei Seen waren zu sehen, in denen sich der Herbst spiegelte. Es. War. Soo. SCHÖN!
Am Hvalfjörður hielten wir noch an einem weiteren Wasserfall, wo fleißig das Wasser probiert wurde. Frischer geht's nicht.
Dann mussten wir uns beeilen. Eine Freiwillige, zufälliger Weise eine Fahrerin, hatte nämlich noch eine Arbeitsschicht um 5 und es wurde langsam knapp.
Wir fuhren schnell und irgendwann verloren wir das zweite Auto. Da es aber nur noch gerade aus ging, rief ich das andere Auto an und erklärte ihnen den Weg, sodass wir einfach entspannt weiter fuhren.
Die Freiwillige schaffte es pünktlich, aber gerade so. Fast 15 Minuten später kam das andere Auto nach uns an.

Zusammenfassend war es auf jeden Fall ein schöner Trip und alle anderen waren auch begeistert.

Was ich so schön fand, ist, dass wir ja jetzt schon 6-7x auf Snæfellsnes waren. Jedes Mal fühlt es sich fast schon wie ein "nach Hause kommen" an, so oft waren wir schon da.
Und immer zu anderen Jahreszeiten. Zu Ostern mit stellenweise noch Schnee, im Mai, wo der Frühling anfing, im grünen Sommer und auch jetzt im rotorangenem Herbst. Vielleicht verschlägt es uns im tiefsten Winter dort noch einmal hin.


Ytri-Tunga
am Rauðfeldargjá
auf dem Bergpass
auf dem Bergpass
irgendwo
auf der "Abkürzung"



Jonathan und Laura

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