Sonntag, 27. November 2016

Teil 5: Wie läuft's denn so auf Arbeit?

Lauras Kindergarten

Mein Kindergarten hat ja eine wissenschaftliche Auslegung. Daher gab es am 27. September einen Visindadagur, einen Wissenschaftstag mit 5 verschiedenen wissenschaftlich-spielerischen Stationen.
Die erste war eine Lichtstation. In einem dunklen Raum konnten die Kinder mit Taschenlampen spielen und Gegenstände wie Schablonen oder bunten Plastikscheiben davor halten und sehen, wie sich das Licht verändert. Oder sie konnten Gegenstände auf einen Overheadprojektor legen. Am Ende wurde sowieso nur gespielt, z.B. hat der eine Junge immer nur in eine bunt leuchtende Taschenlampe gesungen.
Bei der nächsten Station hatten wir eine flache Kiste, die wir mit Wasser füllten und dann zeigten, wie sich ein Tropfen Lebensmittelfarbe darin ausbreitet. Dann haben wir unter den staunenden Augen der Kinder die Farben vermischt und gefragt, was für eine Farbe entsteht. Braun! Dann fügten wir noch Spüli hinzu und mit Strohhalmen durften die Kinder Blubberblasen machen, bis nur noch Seifenblasen in der Kiste waren.
Danach gab es Rampen und Autos. Die Kinder fanden spielerisch heraus, wie das Auto bei einer flachen Rampe langsamer runter rollt als bei einer steilen. Und, dass sogar eine Kugel runter rollt, aber kein Bauklotz.
Dann spielten wir mit Magneten. Was klebte aneinander, was war nicht magnetisch, 15 Minuten lang konnten die Kinder alles ausprobieren.
Als letztes spielten wir mit Luftballons, zeigten, wie die Haare sich aufladen können und ein Luftballon an der Wand kleben kann. Dann wurde zu LazyTown Musik einfach nur noch getanzt und Luftballons umhergeworfen.
Auch wenn die Kinder erst 3 Jahre alt sind und hauptsächlich nur gespielt wurde, fand ich das eigentlich ein sehr sinnvolles Projekt. Da es jedes Jahr gemacht wird, denke ich, das die Kinder irgendwo verstehen, mit was sie z.B. spielen. Bei den größeren Kindern gab es dann sogar noch eine Station, wo sie den Weltraum ein bisschen kennen lernten, z.B. wie das Licht der Sonne auf die Erde scheint.

Zum internationalen Tag gegen Brustkrebs am 14. Oktober gab es einen Bleikurdagur, also einen Pinktag. Alle Kinder sollten in pinken Sachen zum Kindergarten kommen. Und da ich nur eine Sache hatte, die so wirklich pink war, musste ich gezwungener Maßen mein Einhornkostüm anziehen. Davon waren die Kinder aber begeistert. Den ganzen Vormittag waren dann alle Türen geöffnet und die Kinder konnten durch den ganzen Kindergarten rennen und in allen Gruppenräumen spielen.

Nachdem mich meine Familie besucht hatte, wechselte ich nach 8 Monaten mal die Gruppe. Und nicht nur die Gruppe, sogar das ganze Kindergartengebäude war woaanders, nämlich noch näher dran an meinem Zuhause. Dort sind alle kleinen Kinder, der Jüngste ist 19 Monate alt, die Ältesten werden nächsten Frühling drei Jahre alt. Ich bin hier bei den "ältesten", eine kleine Gruppe mit 9 Kindern. Ein großer Unterschied zu den 22 davor. Das Gebäude ist auch sehr viel offener gestaltet, alle drei Gruppenräume gehen von einem Flur ab, wo auch gespielt werden kann. Mein Raum ist sogar nur mit Wänden aus Regalen von diesem Flur getrennt, so bekomm ich also alles mit da draußen. Das ist schön, denn in dem anderen Kindergarten wusste ich nach so langer Zeit nichtmal die Namen der anderen Mitarbeiter. Dort waren die 4 Gruppen aneinandergereiht und räumlch abgetrennt, um zur Küche zu kommen musste ich also einmal durch alle Gruppen durchlaufen.
Nunja, jedenfalls ist die Arbeit sehr entspannt, alle sind nett und die Kinder gewöhnen sich an mich.
Und, es war auch ein guter Augenblick um zu wechseln. Als die neuen Kinder kamen, kamen auch neue Mitarbeiter in meine Gruppe. Die alte Chefin war nach 6 Monaten Krankheit wieder da. Und aus einer anderen Gruppe wurde jemand zu uns geschickt. Sie ist die beste Freundin von einer, die schon in meiner Gruppe war. Und eigentlich weiß der ganze Kindergarten, dass die nicht zusammen arbeiten können. Trotzdem hat die Kindergartenchefin sie zusammengepackt. Und es passierte, was alle ahnten. Die beiden redeten sehr viel und arbeiteten so sehr ineffektiv, weil sie nicht den ganzen Raum im Auge hatten. Die eine kommandierte herum und die andere latschte ihr sowieso nur hinterher. Und ihr leises Getuschel schürte das Gefühl als ob sie lästern. Es machte keinen Spaß mehr, ich als einfache Freiwillige musste hin und her rennen und das ganze Chaos regeln, nur weil diese zwei Damen einfach ihren Job nicht richtig machten. Ich unterhielt mich mit den anderen darüber, wie sie sich fühlten und was wir machen könnten. Die Chefin meiner Gruppe hat es schon versucht, aber da sie eher sowas sagt wie "wir brauchen mehr positive Energie" hat das nicht so wirklich was an der Situation geändert. Dann entschied ich, mal was zu machen. Ich suchte das Gespräch. Wenn es schief geht, hatte ich dort eh nur noch zwei Wochen zu arbeiten. Und ich hatte es geähnt, ich redete mit einer Wand. Ich blieb entspannt, konzentrierte mich auf meine Sätze, aber da ich sie eh nie beenden konnte, ging das Gespräch ziemlich schief. Am gleichen Tag soll sie wohl wutentbrand früher nach Hause gegangen sein. Für die restlichen zwei Wochen wurde ich von ihr konsequent ignoriert. Und ich versuchte auch nicht, mit ihr in Gespräch zu kommen, obwohl ich sie eigentlich immer mochte. Naja, die Kindergartenchefin wurde eingeschaltet, alle hatten Einzelgespräche. Doch das Gruppenmeeting wurde so lange aufgeschoben, bis ich raus war. Und dann wurde ich auch nicht mehr eingeladen, obwohl andere mich dabei haben wollten. Beim Gruppenmeeting soll die besagte Dame dann gesagt haben, sie habe nach 40 Jahren in diesem Job überlegt zu kündigen, nachdem was ich zu ihr gesagt hab. Verständlich, die halben Sätze, die ich sagen konnte, hätten mich auch wütend gemacht. Am Ende des Meetings sollten alle was Positives übereinander sagen und sich umarmen. Das solle laut einer Mitarbeiterin das komischste Meeting ever gewesen sein. Und wirklich besser sei es nicht... Wenn einer der beiden krank ist, liefe es super, sonst nicht.
Zum Glück bin ich da raus... Aber mit den Mitarbeitern, mit denen ich mich noch verstanden habe, treffe ich mich demnächst zum Kaffee trinken.



Das war jetzt viel Text von meiner Seite aus... Jetzt einmal was von Jonathan :)

Bei mir hat sich zumindest bei den Mitarbeitern einiges geändert, viele spontane Wechsel innerhalb des Kindergartens und auch Neuzugänge, sowie Kündigungen.
Auch Kinder gibt es einige neue. Viele weinen jetzt schon nicht mehr so viel, was das Arbeiten deutlich einfacher macht. Sie hängen schon sehr an ihren Erziehern und sie sind so knuffig, dass man sie einfach ins Herz schließen muss.
Momentan bin ich jedoch weniger bei den Kindern, was auch mal eine angenehme Abwechslung ist. Da keiner der anderen Mitarbeiter sich mit Photoshop auskennt, wurde ich auserkoren, die neuen Plakate des Kindergartens zu gestalten. Ziemlich zeitaufwendig, vor allem, weil die Leiterin sehr kryptisch war, wie sie sich die Plakate vorstelle. Jetzt ist es ein Naturhintergrund mit Bergen etc. und im Vordergrund Kinder und Erzieher mehr schlecht als recht eingefügt.
Isländisch mit den Kindern zu reden fällt mir immer leichter, mit den Erwachsenen tue ich mich immer noch schwer. Vor allem die verschiedenen Fälle machen mir zu schaffen und ich kriege eine Idee davon, wie es Leuten ergehen muss, die Deutsch als Fremdsprache lernen.
Sonst gibt's bei mir eigentlich nichts Neues. Tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen.

Laura & Jonathan

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