Und so möchten wir unsere Liste vom Anfang der Reise fortsetzen.
6: Autofahrer sind freundlich, Busfahrer rastlos. Der allgemeine Isländer scheint nach dem Erlangen des Führerscheins eine spezielle Prüfung zu durchlaufen. Fährt er übermäßig freundlich, wird er zum normalen Autofahrer auserkoren. Fährt er durchschnittlich freundlich und etwas schneller, wird er zum Jeep/Landrover/Monstertruckfahrer (von denen es tatsächlich eine Menge gibt). Fährt er über alle Maßen unvorsichtig, ungewöhnlich schnell, gerne auch mal Vorfahrtsschilder missachtend, wird er Busfahrer. Ich bin immer noch verwirrt, wenn an einer mittelgroßen Straße ein Auto extra anhält, um mich durchzulassen, obwohl dahinter reichlich Platz gewesen wäre. Genauso überrascht bin ich, wenn der Busfahrer der Meinung ist, mit noch nicht vollständig geschlossener Tür von Null auf Lichtgeschwindigkeit innerhalb einer halben Sekunde zu beschleunigen. Eigentlich sollte jeder Besucher Reykjavíks mindestens einmal mit dem Bus hier fahren (vorzugsweise bei einem männlichen Fahrer), das alleine ist eine Erfahrung und die 420 Kronen sind da schon sehr preiswert.
7: Nicht nur Essen ist teuer. Alles ist teuer. Wirklich alles. Mittlerweile stufen wir Sachen, die nur etwas mehr als bei uns kosten, schon als "günstig" ein. Technische Gerätschaften sind quasi unbezahlbar, kann man doch häufig von ungefähr dem anderthalbfachen Preis ausgehen. Die clevere Idee, über Amazon zu bestellen und die 40€ Versand in Kauf zu nehmen, bleibt einem schnell im Hals stecken, wenn man erfährt, wie hoch die Isländer diese Artikel zum Teil versteuern. 50% bei einem Handy zum Beispiel. Keine Lösung. Laura hat sich mit Farben und Papier eingedeckt, um malen zu können und es hat auch etwa das Doppelte gekostet. Nichtsdestotrotz kommen wir bisher sehr gut mit dem Geld aus, für diesen Monat ist noch einiges übrig für die kommende Reise. [Dazu Montag Einzelheiten]
8: Second-Hand Artikel sind unglaublich beliebt. Alleine in der Hauptstraße befinden sich mindestens 3 Second-Hand Läden. Die durchstöbern wir jetzt regelmäßig auf der Suche nach "Lopapeysa"s. Was wie eine exotische Delikatesse klingt, ist in Wahrheit nur das isländische Wort für Pullover. Es ist nämlich unglaublich schwer, einen Lopapeysa in seiner Größe zu finden, der ein annehmbares Muster und keine Knöpfe vorne hat (und der bezahlbar ist). Der durchschnittliche neue Lopapeysa kostet in Reykjavik etwa 100€ aufwärts, da sie alle aus spezieller Wolle handgefertigt sind. Das rechtfertigt zwar diesen frechen Preis nicht so wirklich, aber zähneknirschend guckt man sich nach einem Gebrauchten um. Wir waren gestern sogar in einer Tauschbörse für Klamotten und Ähnliches. Es gab keine Regeln, jeder konnte sich nehmen, was er wollte. Es wurde gerne gesehen, wenn man selber Klamotten mitbrachte, die dann weitergereicht werden konnten, aber es war nicht vorgeschrieben. Es kamen reichlich Menschen mit riesigen Tüten voller T-Shirts, Hosen, Schals, etc. So war die Auslage gut bestückt und wir mussten uns nicht schlecht fühlen, nichts mitgebracht zu haben. Laura ergatterte einen Bettbezug und eine Fleecejacke, Ich einen Pulli. Gratis.
| nach dem Mittagsschlaf |
| tägliches Chaos |
(verschwommen zum Schutz der Identität der Kinder)
Uns geht es immer noch gut hier und wir bereuen nichts. Wie viel selbstständiger wir in dieser kurzen Zeit geworden sind, ist erstaunlich. Es ist halt schon ein Unterschied, ohne Mami und Papi zu wohnen.
Wir wünschen euch allen Frohe Ostern hier aus Island.
Jonathan und Laura
Ps: ein großes "Wir lieben euch" an unsere Families <3
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen