Donnerstag, 29. Dezember 2016

Der Präsident von nebenan

Hallo, willkommen zurück beim unregelmäßigen Blog von Laura und Jonathan aus Island.
Wie ihr dem Titel vielleicht schon entnehmen konntet, haben wir den Präsidenten von Island getroffen. Also so richtig zu ihm nach Hause. Der Präsident von Island, zur Zeit ist es Guðni Thorlacius Jóhannesson, lebt immer am selben Ort, einem recht großen Haus in einem der Randbezirke von Reykjavík.
Wir wurden von unserer Entsendeorganisation vor Ort eingeladen, ihn zu besuchen und wir willigten ein. So ging es also bei Wind und Wetter nach Álftanes. Geöffnet wurde uns von einem sehr mürrischen Leibwächter, der uns auf Isländisch anblaffte, was wir denn hier wollen würden. Wir konterten zurück, wir wären verabredet mit dem Präsidenten.
Seine Antwort: "Der Präsident erwartet heute keinen Besuch."
Kurz danach fing er an zu grinsen: "Ich mach nur Spaß, kommt rein."
Der andere Leibwächter war aus einem ähnlichen Holz geschnitzt, beide waren immer für einen Spaß zu haben, selbst über den Präsidenten.
Selbiger war übrigens auch ein unglaublich freundlicher und ruhiger Mensch. Er begrüßte uns mit Cola und Wasser und hielt eine kleine Rede auf Englisch, damit auch alle tatsächlich alles verstehen konnten. Dabei baute er immer wieder die eine oder andere witzige Anekdote ein.

Danach ging es in die Bibliothek, wo wir ihm jede Frage stellen durften, die uns grade so durch den Kopf gingen.
Es ging weniger um politische Dinge als tatsächlich um Island generell.
Er zeigte sich offen und teilte so einiges mit uns, unter anderem dass er wahrscheinlich einige Dinge in dem Haus würde umdisponieren müssen aufgrund seiner Kinder. Bei insgesamt fünf an der Zahl, von denen einige auch noch sehr jung sind, war es ihm zu schade um manche Gegenstände im Haus, so auch eine der ersten Isländischen Bibeln, die je gedruckt wurden. Er meinte es sei zu gefährlich, da seine Kinder Buntstifte lieben würden und das Buch sonst darunter leiden würde.
Ganz generell kam es uns nicht vor, als würden wir das repräsentative Oberhaupt dieses Landes treffen, sondern eher als wären wir zu einem Plausch beim Nachbarn eingeladen worden.
Soviel zum Präsidenten.

Nun zu einem anderen Thema: Laura und Ich haben für das Rote Kreuz hier Heiße Schokolade verkauft! Echt ne tolle Idee, Heiße Schokolade gegen eine Spende, egal wie groß.
Viele spendeten und genossen ihr Heißgetränk an diesem mittelmäßig kalten Tag. Alle waren sehr freundlich zu uns gaben uns Geld auch wenn sie gar keinen Kakao wollten. Es war sehr interessant, einfach für ein paar Stunden an einer sehr gut besuchten Straßenkreuzung zu stehen und die Leute zu beobachten. Es waren natürlich hauptsächlich Touristen an diesem Sonntag unterwegs aber auch die Isländer kamen und spendeten fleißig.
Es tut sich gut an, so um die Weihnachtszeit mal was anderes zu machen, als nur weinende Kinder zu "bemuttern".
Frohe Weihnachten (nochmal nachträglich) und ein Gesundes Neues Jahr 2017 wünschen wir!

Samstag, 24. Dezember 2016

Gleðileg Jól!

Weihnachten in Island ist ein bisschen anders als wir es kennen. Vielleicht habt ihr ja schonmal von den dreizehn Weihnachtsmännern gehört. Ja, dreizehn. Aber wirklich gut meinen tun die es leider nicht.

Ich war letzte Woche bei einer Vorlesung im Museum über die isländischen Weihnachtstraditionen, damals und heute. Und ich dachte mir, euch könnte das auch interessieren.

Also an den Anfang:
Der Winter in Island ist dunkel und geprägt von stürmischem Wetter. Nicht sehr gute Vorraussetzungen für eine friedliche, besinnliche Weihnacht. Damals hatten die Isländer sogar noch mehr Angst als sonst.
Zum einen die Wintersonnenwende, bei der das Tor zwischen unserer Welt und der übernatürlichen am weitesten geöffnet sein soll.
Außerdem wurde das verrückte isländische Wetter auf Naturgeister zurückgeführt. Diese kamen dann zusammen mit dem Schnee die Berge runter in die Täler zu den Farmen der Bauern.

Dabei muss man anmerken, dass es bei den ganzen Wesen hier noch Unterschiede gibt. Naturgeister sind nicht das gleiche wie Elfen und Trolle. Auch sind die Unsichtbaren Leute etwas Anderes.
Und auch die Toten bleiben in den Sagas nicht unerwähnt.

Zum Beispiel gibt es eine Geschichte, wo jedes Jahr zu Weihnachten die Toten aus den Gräbern kamen und sich mit ans Weihnachtsfeuer gesetzt haben. Die Familie hat dann, nachdem das Zunageln der Tür nichts gebracht hat, angefangen, den Toten ein eigenes Feuer zu geben, damit beide Parteien friedlich feiern konnten.
Oder die Geschichte, wo ein Mann eine Frau zum Weihnachtstanz einlädt, aber auf dem Weg nach Hause stirbt. Als Geist möchte er natürlich diesen Tanz auch machen, nur seine Geliebte lehnt es ab. So kam er jedes Weihnachten wieder, bis sie endlich mit ihm tanzte und er in Frieden sein konnte.

Auch die Unsichtbaren Leute haben eine Geschichte.
Jedes Jahr zu Weihnachten gehen die Familien in die Kirche, und einer muss dann natürlich zu Hause aufpassen. In einem Jahr kam eine Familie dann zu ihrem Hof zurück und die aufpassende Person war weg. Im nächsten Jahr das gleiche, im dritten Jahr wollte dann natürlich niemand mehr aufpassen. Aber ein Fremder stellte sich bereit, aufzupassen. Als die Familie weg war, versteckte er sich und wartete. Irgendwann hörte er Geräusche und als er aus seinem Versteck kam, sah er die Unsichtbaren Leute ein großes Weihnachtsfest machen, mit vielen Speisen und Gesang. Er verjagte sie und sie kamen nie mehr wieder.

Aber da sieht man, dass alle beim Weihnachtsfest dabei sein wollten. Und so werden sie auch heute noch in das Weihnachtsfest integriert und besämftigt. Bei uns gibt es den Totensonntag im November, hier werden zu Weihnachten Kerzen auf die Gräber gelegt. Auch laufen manche Menschen  um ihre Häuser und reden mit den Elfen und co., geben ihnen die Erlaubnis zu bleiben oder zu gehen, aber den Menschen kein Leid zuzufügen.


Grundsätzlich machte die Finsternis und Kälte alle sehr viel nervöser. Und generell galt für die nordischen  Geister, dass sie eher nahmen als gaben.
Daher waren diese Weihnachtstrolle auch nicht die nettesten. Hier einmal ein Überblick.

12. Dezember: Stekkjastaur - Schafschreck, versucht die Milch der Schafe zu trinken was bei seinen steifen Knien sich recht schwierig erweist.
13. Dezember: Giljagaur - Schaumschuft, stielt die Milch der Kühe (vor der Zeit der Melkmaschine)
14. Dezember: Stúfur oder Pönnuskefill - Dieser "Knirps" ist für das Auslecken der Reste aus den Pfannen bekannt.
15. Dezember: Þvörusleikir - Löffellecker. Leckt Löffel ab. Ganz simpel.
16. Dezember: Pottasleikir - Fast alles ist sauber, der Topflecker macht seine Arbeit.
17. Dezember: Askasleikir - Jetzt werden noch die Reste aus den Holzschalen vernascht.
18. Dezember: Hurðaskellir - Der Türschläger. Recht lauter Geselle.
19. Dezember: Skyrgámur - Der Skyrschlund ist all den leckeren Skyr auf.
20. Dezember: Bjúgnakrækir - Der Wurststibitzer liebt und klaut alle Würstchen im Haus. Bjúga ist eine dicke Wurst aus Lamm, Pferde und Schweinefleisch. Schmeckt echt lecker!
21. Dezember: Gluggagægir - Fenstrglotzer, unstillbarere Neugier, guckt durch jedes Fenster. Lieber nichts rumliegen lassen, wenn ihm was gefällt, dann nimmt er es sich.
22. Dezember: Gáttaþefur - Türschlitzschnüffler. Mit seiner großen Nase liebt er den Geruch von Kuchen und folgt dem Geruch. Manchmal lässt er auch was mitgehen.
23. Dezember:  Ketkrókur - An diesem Tag gibt es traditionel geräuchertes Lamm, wenn der Keulenklauer es nicht gerade geklaut hat. PS: In vielen Familien gibt es am 23. aber auch Stinkefisch.
24. Dezember: Kertasníkir - Früher wann Kerzen das hellste Licht und leider recht wertvoll. Alle Kinder bekamen daher eine Kerze geschenkt und der Kerzenschorrer wollte natürlich auch eine haben.

Natürlich haben diese Weihnachtstrolle auch eine Mutter Grýla, die beliebteste unter allen. Sie frisst nämlich alle unartigen Kinder.
Ganz ähnlich ist auch die Jólaköttur, die Weihnachtskatze. Sie frisst alle auf, die an Weihnachten keine neuen Klamotten tragen.

Heute sind die Herrschaften ein bisschen netter geworden und hinterlassen nach ihren Späßen auch kleine Geschenke in den Schuhen der Kinder - oder harte Kartoffeln, wenn man unartig war.


Das Nationalmuseum setzt sich übrigens dafür ein, dass der Klischee Coca Cola Santa wieder durch das traditionelle Bild der Jólasvein ausgetauscht wird.

Alle Weihnachtsmänner bleiben dreizehn Tage, am 6. Januar sind wieder alle Weg und das wird groß gefeiert mit Weihnachtsbaumverbrennen und dem Zünden der Silvesterüberreste.


Jetzt noch eine interessante Frage:
Warum eigentlich dreizehn?
Das liegt am alten Kalender. Der alte Kalender war 13 Tage zu kurz, somit wurden dreizehn Tage rangehangen. Aber die Menschen wollten nicht länger auf das Weihnachtsfest warten. Also fing es 13 Tage vorher an. Problem gelöst.


Hier noch ein paar Links, falls ihr noch mehr lesen und sehen wollt:
Die 13 isländischen Weihnachtsmänner - inreykjavík.is
Iceland Is Weird But So Great #6 Yule Lads - Youtube
Hey, It's those Yule Lads! - Reykjavík Grapevine

Und ein bisschen Musik darf auch nicht fehlen!
Íslensk Jólalög
Íslensk Jólalög für Kinder



Wir wünschen ein frohes Weihnachtsfest!
Jonathan und Laura

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Lichtblick am dunkelsten Tag des Jahres

Es ist geschafft!!!
Heute ist der 21. Dezember, das heißt Wintersonnenwende und somit der kürzeste Tag des Jahres.
In Reykjavík heißt das konkret:

Sonnenaufgang: 11:22 Uhr
Sonnenuntergang: 15:29 Uhr
Heißt ein Tag von 4:07 Stunden...

Aber die Zeit der Dunkelheit ist vorbei!
Heute Nacht gab es Schneeeeee!!!
Endlich wieder Licht in der Nacht! :D

Zur Feier des Tages habe ich gleich mal einen Schneeengel gemacht.


... und ab jetzt werden die Tage endlich wieder länger.

Hoffnungsvoll,
Jonathan und Laura



Update: Am gleichen Abend sind wir noch einen kleinen Schneemann bauen gegangen und mit Mülltüten rodeln.

Mittwoch, 30. November 2016

Teil 8: im Hundai durch Nordisland (viele Fotos!)

Es gab mal wieder Besuch! Zwar nicht bei uns, aber trotzdem ein Grund zum Reisen. Eine WG-Mitbewohnerin, mit der wir uns sehr gut verstehen, bekam Besuch von ihrer Freundin.
Wir entscheiden uns also über ein verlängertes Wochenende wegzufahren. Da wir ja Snæfellsnes gerade wiedermal hinter uns hatten und Jonathan und ich den Süden recht unspektakulär fanden, verschlug es uns in den Norden nach Akureyri.
Auto gebucht, Unterkunft rausgesucht und los gings. Wir waren 5, eine weitere aus der WG kam auch mit. Das Auto war somit also vollbesetzt mit Deutschsprachigen, drei Leute aus Berlin und zwei aus Wien.


Am Freitag gings los. Sturmwarnung. Das waren tolle Aussichten... Aber da wir nicht viele Stops hatten, war das mit dem Wetter auch ok. Wir hielten an einer Schlucht mit Wasserfall, wo nur Elisa und Ich uns raustrauten. Es war echt cool da rum zu laufen aber am Ende waren wir seeehr nass.
Dann gings nur noch weiter nach oben in den Norden. Wir umfuhren eine Landzunge und als wir in Akureyri ankamen, war es schon lange dunkel.
Unsere Unterkunft lag auf der anderen Seite des Fjords an dem Akureyri liegt, also hatten wir einen atemberaubenden Ausblick aufs "nächtliche" (wir kamen zwischen 5 und 6 Uhr dort an) Akureyri.
Den Abend verbrachten wir recht entspannt in dem riesigen Apartment.

 
Am Samstag fuhren wir dann zum Mývatn. Das ist der See, bei dem Lava und Wasser ganz viel abstrakte Naturphänomene erschaffen haben.
Das Wetter war einfach nur ein Traum. Es wehte kaum Wind, es regnete nicht, der Himmel war nur leicht bewölkt. Fantastisch.
Wir hielten am Goðafoss, wo es doch etwas sehr windig war. Wir parkten auf dem Parkplatz auf der anderen Seite als damals bei der Rundreise mit Jonathans Mutter. Da kam man sogar runter ans Wasser.


Dann erreichten wir den Mývatn. Zuvor hatte es ein wenig gescheit. Aber auch nur ein wenig, nichtmal ein Zentimeter. Alles glitzerte im "Sonnenuntergangslicht" der tief stehenden Sonne und wir starrten nuuuur aus dem Fenster.



Wir hielten an einem kleinen Wäldchen, das im Sommer einen kleinen gepflegten Garten beherbergt. Der bestand jetzt leider nur aus vertrockneten Büschen, aber das Wäldchen an sich war echt schnuckelig, da es hier ja auch nicht so viele gibt. 



Wir liefen durch und standen dann an einer kleinen Klippe, von der aus man auf den See und die Umgebung sehen konnte. Dort waren auch diese Lavasäulen, die aus dem Wasser ragten. Schwer zu fotografieren, da die Sonne genau auf unserer Höhe hinter ihnen stand, aber es war sehr schön anzusehen.


Danach hielten wir Dimmuborgir, das meterhohe Lavafeld, und wir liefen dort kurz umher. Dort verstecken sich ja die Weihnachtstrolle, hier gibt es ja nicht einen netten Weihnachtsmann sondern dreizehn chaosstiftende Weihnachtsmanntrolle. Mehrmals riefen wir laut nach ihnen, aber keiner kam raus. Im Schnee wirkte aber auch der ganze Ort nochmal mysteriöser als schon im Sommer.


Vom Parkplatz aus hatten wir einen tollen Blick auf den Aschekrater Hverfell, der komplett mit Schnee bedeckt war und leuchtend in der Landschaft da lag.


Wir fuhren noch ein Stück weiter in den Osten um ins noch ein Sulfatarenfeld anzusehen, bevor die Sonne weg war. Als wir über den Berg dahin fuhren, war es fast schon chaotisch im Auto, weil alle bei dem Ausblick fast ausflippten. Die Sonne stand sehr tief und alles leuchtete golden unter ihr. Hinter dem Berg lag noch mehr Schnee. Alles war weiß. Und es war kalt. Wir versammelten uns also an der dicksten Dampfwolke und liefen immer wieder durch den warmen, stinkenden Dampf. Und coole Fotos gabs natürlich auch.



Danach gings über den Berg zurück, wo wir diesmal anhalten konnten für Fotos. Atemberaubend schön.
Dann gings Heim und es war auch schon wieder dunkel als wir ankamen. Wir gingen noch einkaufen, auf dem Plan stand Raclette, diese Unterkunft war bestens ausgestattet.
Wir futterten den ganzen Abend und setzten uns dann raus, dick eingepackt, um Nordlichter zu beobachten. Es war kalt und windig, aber die Nordlichter boten uns eine kleine Show. Sie waren nicht allzu stark aber trotzdem schön anzusehen über den Lichtern der Stadt.


Am Sonntag ging es straight zurück. Es stürmte wieder, in der Nacht wurde sogar der Gartenglastisch umgeweht...
Wir fuhren und fuhren, diemal den kürzeren Weg über die Nummer 1, wo Jonathan und ich auch noch nicht lang gefahren sind. Zwischendurch lichete sich der Himmel und wir fuhren durch goldgelbe Taler, umramt von strahlenden Bergen. Und dann regnete es wieder so sehr, dass wir nicht weiter als 5m sehen konnten.


Wir hielten nochmal am Grábrok, einem Vulkankrater. Wie gesagt, es gab eine Sturmwarnung... Man konnte sich richtig in den Wind reinlegen und stand trotzdem noch aufrecht. Einmal hats mich dann auch umgeweht. Das war schon echt krass.
Wir kamen wohlbehalten Zuhause an, erledigten noch notwendige Einkäufe mit dem Luxus des Autos und fielen todmüde ins Bett.
Insgesamt der beste Trip mit den neuen Freiwilligen bisher!
Es soll nicht der letzte sein!


Jonathan und Laura

Dienstag, 29. November 2016

Teil 7: Es wird dunkel...

Auch hier in Island kommt der Winter und es wird dunkel. Mit jedem Tag ist die Sonne kürzer da. Natürlich ist das auch in Deutschland so, aber hier gewöhnt man sich gerade daran, dass die Sonne nicht untergeht, und plötzlich geht sie gar nicht mehr auf. Der Unterschied zum Sonnenuntergang in Berlin und Reykjavík ist gar nicht so groß mit 16:00 und 15:50, aber beim Sonnenaufgang ist das schon anders. In Berlin geht die Sonne um 7:50 auf, bei uns um 10:40. Vor zwei Wochen war es bei uns noch um 9:45... Mir persönlich geht das viel zu schnell.
Daher schaue ich auch mit gemischten Gefühlen gen Weihnachten. Am 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres. In Berlin heißt das 7,5 "Sonnenstunden". Bei uns sind es nur 4... Das heißt 20 Stunden Dunkelheit... In der zweitgrößten Stadt Islands, Akureyri, sind es sogar nur 3 Stunden.
Hoffentlich gibt es dann genügend aufmunternde Nordlichter.

Ansonsten ist es zurzeit recht trüb. Es regnet viel und die Wolken wollen nicht mehr abziehen. Das steigert natürlich die allgemeine Laune ungemein. Jetzt liegt sogar schon Schnee. Viel blieb nicht liegen durch die beheizten Gehwege. Doch es sorgte trotzdem für staunende Kinderaugen auf Arbeit.
Der Schnee bleibt zwar nicht liegen, dafür aber das Eis. Es bedeckt mittlerweile alle nicht beheizten Gehwege und auch die meisten Straßen. Was eigentlich nicht sehr verwunderlich ist, da wir die letzten Tage im Durchschnitt etwa -3°C hatten tagsüber. In Lauras Kindergarten blieben die Kinder drinnen, aber die Kinder in meinem Kindergarten sind echte Wikinger und gehen trotzdem raus. Ich trage mittlerweile immer Thermo-Unterwäsche, ansonsten friert man sich echt zu Tode. -3°C sind ja eigentlich gar nicht sooo kalt, aber das restliche Wetter beeinflusst das Kälteempfinden maßgeblich. So schätzte meine Wetterapp auf dem Handy die "gefühlte Temperatur" auf -14°C ein. Und ich muss zustimmen.

Die Dunkelheit macht uns (und besonders mir) sehr zu schaffen. Die Motivation, zur Arbeit zu gehen, sinkt dramatisch, wenn die Sonne erst aufgeht, wenn man schon ein bis zwei Stunden lang arbeitet und schon untergegangen ist, bevor man geht.. Die Kinder sind echt der einzige Lichtblick in der Situation, sie zaubern mir immer ein Lächeln aufs Gesicht, egal wie miesepetrig ich grade drauf bin wegen der permanenten Dunkelheit. Magische kleine Wesen, diese Kinder.
Wir versuchen auch, unserer "Winterdepression" vorzubeugen, indem wir jetzt immer zum Abendessen Lýsi-Kapseln schlucken. Lýsi wird aus Fischlebern gewonnen (ekelhafter Prozess) und enthält große Mengen an Vitamin A, D, E und Omega-3 Fettsäuren. Ideal also um den Mangel aus Sonne wenigstens ein wenig auszugleichen. Schmeckt ungefähr so wie es klingt in flüssiger Form aber in Kapseln ist es halb so wild.

Laura und Jonathan

Montag, 28. November 2016

Teil 6: Das Airwaves Festival

Das Airwaves Festival ist neben z.B. dem Secret Soltice Festival eines der Größten in Island. Nur verdienen nicht nur die Veranstalter daran. Cafés, Bars, Hotels, Shops und Restaurants nutzen die Chance, indem sie viele viele kostenlose Konzerte geben und fleißig durch die durstigen und hungrigen Gäste Kohle scheffeln können.
Trotzdem ist es geil. Es gab einen riesigen "Off venue" -  Stundenplan, von 15-19 Uhr gab es stündlich an jeder Ecke irgendwo ein Konzert. Kostenlooooooos. Da freut sich das arme Freiwilligenherz. Man wird ja nicht gezwungen, was zu trinken.

Am Montag waren wir bei einem Warm-Up. Ein Bekannter trat im "Studentenkeller", einer Bar/einem Restaurant auf dem Unigelände, mit seiner Band Stormur & Bliða auf. Diese kann man als isländische, spirituelle Reggae Hip Hop Band einordnen. Klingt strange... Es ist auch gewöhnungsbedürftig. Aber mit Abstand das Beste, was wir an dem Abend gesehen haben. Es folgte ein Soloauftritt mit Loopmachine und komplett chaotischem Leidensgesang, isländischer somit unverständlicher Hip Hop, ein betrunkener, amerikanischer Rapper und eine nunja... Alternative Musik von vermutlich zwei Okultisten, die uns alle nackt sehen wollten.

Aber macht euch doch selbst einen Eindruck.
(Nebenbei, es war Halloween. Und für ein Video von den Okultisten reichte der Akku vom Handy leider nicht mehr.)



Am Mittwoch ging es mit den kostenlosen Konzerten erst richtig los. Aaaaber aufgrund von Müdigkeit blieben wir daheim, da eh alle Künstler, die ich sehen wollte, nochmal an den anderen Tagen auftraten.
Am Freitag wollten wir mit ein paar anderen zum einzigen Konzert von Sóley, einer recht international bekannten Sängerin. Nur trat sie in einem winzigen Café auf, sodass wir, obwohl wir eine knappe Stunde vorher da waren, schon nicht mehr rein kamen. Durchs Fenster konnten wir noch eine Weile den verrücktem Tanzstil der Sängerin davor beobachten (Milkywhale), bis wir uns dann doch entschieden, woanders hinzugehen. Denn mit jeder Minute kamen mehr Leute und das war uns dann zu viel.
Wir landeten wieder im Studentenkeller, wo die Band Sofia Björg auftrat. Endlich mal gute Musik. Danach sind wir ins KEX Hostel, wo eine britische Rapperin/Lyrikerin Kate Tempest auftrat. Da es keine Sitzplätze mehr gab, saß ich in einer Ecke auf dem Boden und strickte, bis das Konzert anfing.

Am Samstag wollte ich uuunbedingt zum Konzert von Júníus Meyvant, den ich schonmal live gesehen habe, damals bei der Culturenight in der Bank. Und wie erwartet war auch das Konzert wieder richtig schön. Zwischen den Songs machte er ein paar Witze, was eine sehr entspannte Atmosphäre brachte. Ich strickte ganz entspannt zur Musik. Weihnachten naht, es gibt viel zu tun, und am besten geht das zu guter Musik. Am Ende seines Konzertes ergatterte ich mir noch ein oldschool Autogramm. Alle anderen machten Selfies.


Danach traf ich mich mit einigen anderen im neuen Hardrock Café Reykjavíks. Dort trat die Reggae Band AmabAdamA auf. Die war uns schon recht bekannt, auf unseren Roadtrips war ihre Musik fest in der Playlist vertreten. Unglaublich viele Familien waren auch da und die Kinder drängten sich in der ersten Reihe. Während des Konzerts tanzten die Sängerinnen ganz komisch, der "DJ" spielte auf einer Triola oder Blasharmonika und auch die Kinder durften mal ins Mikro singen. Am Ende tanzten sie auch mit ihnen auf der Bühne. Das war echt süß und auch recht unerwartet. Ein tolles Konzert.

Sorry für den miesen Sound

Das wars dann auch mit unserem Airwaves Festival.
Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man zufällig im November mal hier sein sollte. Die richtigen Konzerttickets kosten gute 150€, wenn nicht mittlerweile sogar mehr bei dem Wechselkurs. Aber die brauch man hier gar nicht.

Laura und Jonathan

Sonntag, 27. November 2016

Teil 5: Wie läuft's denn so auf Arbeit?

Lauras Kindergarten

Mein Kindergarten hat ja eine wissenschaftliche Auslegung. Daher gab es am 27. September einen Visindadagur, einen Wissenschaftstag mit 5 verschiedenen wissenschaftlich-spielerischen Stationen.
Die erste war eine Lichtstation. In einem dunklen Raum konnten die Kinder mit Taschenlampen spielen und Gegenstände wie Schablonen oder bunten Plastikscheiben davor halten und sehen, wie sich das Licht verändert. Oder sie konnten Gegenstände auf einen Overheadprojektor legen. Am Ende wurde sowieso nur gespielt, z.B. hat der eine Junge immer nur in eine bunt leuchtende Taschenlampe gesungen.
Bei der nächsten Station hatten wir eine flache Kiste, die wir mit Wasser füllten und dann zeigten, wie sich ein Tropfen Lebensmittelfarbe darin ausbreitet. Dann haben wir unter den staunenden Augen der Kinder die Farben vermischt und gefragt, was für eine Farbe entsteht. Braun! Dann fügten wir noch Spüli hinzu und mit Strohhalmen durften die Kinder Blubberblasen machen, bis nur noch Seifenblasen in der Kiste waren.
Danach gab es Rampen und Autos. Die Kinder fanden spielerisch heraus, wie das Auto bei einer flachen Rampe langsamer runter rollt als bei einer steilen. Und, dass sogar eine Kugel runter rollt, aber kein Bauklotz.
Dann spielten wir mit Magneten. Was klebte aneinander, was war nicht magnetisch, 15 Minuten lang konnten die Kinder alles ausprobieren.
Als letztes spielten wir mit Luftballons, zeigten, wie die Haare sich aufladen können und ein Luftballon an der Wand kleben kann. Dann wurde zu LazyTown Musik einfach nur noch getanzt und Luftballons umhergeworfen.
Auch wenn die Kinder erst 3 Jahre alt sind und hauptsächlich nur gespielt wurde, fand ich das eigentlich ein sehr sinnvolles Projekt. Da es jedes Jahr gemacht wird, denke ich, das die Kinder irgendwo verstehen, mit was sie z.B. spielen. Bei den größeren Kindern gab es dann sogar noch eine Station, wo sie den Weltraum ein bisschen kennen lernten, z.B. wie das Licht der Sonne auf die Erde scheint.

Zum internationalen Tag gegen Brustkrebs am 14. Oktober gab es einen Bleikurdagur, also einen Pinktag. Alle Kinder sollten in pinken Sachen zum Kindergarten kommen. Und da ich nur eine Sache hatte, die so wirklich pink war, musste ich gezwungener Maßen mein Einhornkostüm anziehen. Davon waren die Kinder aber begeistert. Den ganzen Vormittag waren dann alle Türen geöffnet und die Kinder konnten durch den ganzen Kindergarten rennen und in allen Gruppenräumen spielen.

Nachdem mich meine Familie besucht hatte, wechselte ich nach 8 Monaten mal die Gruppe. Und nicht nur die Gruppe, sogar das ganze Kindergartengebäude war woaanders, nämlich noch näher dran an meinem Zuhause. Dort sind alle kleinen Kinder, der Jüngste ist 19 Monate alt, die Ältesten werden nächsten Frühling drei Jahre alt. Ich bin hier bei den "ältesten", eine kleine Gruppe mit 9 Kindern. Ein großer Unterschied zu den 22 davor. Das Gebäude ist auch sehr viel offener gestaltet, alle drei Gruppenräume gehen von einem Flur ab, wo auch gespielt werden kann. Mein Raum ist sogar nur mit Wänden aus Regalen von diesem Flur getrennt, so bekomm ich also alles mit da draußen. Das ist schön, denn in dem anderen Kindergarten wusste ich nach so langer Zeit nichtmal die Namen der anderen Mitarbeiter. Dort waren die 4 Gruppen aneinandergereiht und räumlch abgetrennt, um zur Küche zu kommen musste ich also einmal durch alle Gruppen durchlaufen.
Nunja, jedenfalls ist die Arbeit sehr entspannt, alle sind nett und die Kinder gewöhnen sich an mich.
Und, es war auch ein guter Augenblick um zu wechseln. Als die neuen Kinder kamen, kamen auch neue Mitarbeiter in meine Gruppe. Die alte Chefin war nach 6 Monaten Krankheit wieder da. Und aus einer anderen Gruppe wurde jemand zu uns geschickt. Sie ist die beste Freundin von einer, die schon in meiner Gruppe war. Und eigentlich weiß der ganze Kindergarten, dass die nicht zusammen arbeiten können. Trotzdem hat die Kindergartenchefin sie zusammengepackt. Und es passierte, was alle ahnten. Die beiden redeten sehr viel und arbeiteten so sehr ineffektiv, weil sie nicht den ganzen Raum im Auge hatten. Die eine kommandierte herum und die andere latschte ihr sowieso nur hinterher. Und ihr leises Getuschel schürte das Gefühl als ob sie lästern. Es machte keinen Spaß mehr, ich als einfache Freiwillige musste hin und her rennen und das ganze Chaos regeln, nur weil diese zwei Damen einfach ihren Job nicht richtig machten. Ich unterhielt mich mit den anderen darüber, wie sie sich fühlten und was wir machen könnten. Die Chefin meiner Gruppe hat es schon versucht, aber da sie eher sowas sagt wie "wir brauchen mehr positive Energie" hat das nicht so wirklich was an der Situation geändert. Dann entschied ich, mal was zu machen. Ich suchte das Gespräch. Wenn es schief geht, hatte ich dort eh nur noch zwei Wochen zu arbeiten. Und ich hatte es geähnt, ich redete mit einer Wand. Ich blieb entspannt, konzentrierte mich auf meine Sätze, aber da ich sie eh nie beenden konnte, ging das Gespräch ziemlich schief. Am gleichen Tag soll sie wohl wutentbrand früher nach Hause gegangen sein. Für die restlichen zwei Wochen wurde ich von ihr konsequent ignoriert. Und ich versuchte auch nicht, mit ihr in Gespräch zu kommen, obwohl ich sie eigentlich immer mochte. Naja, die Kindergartenchefin wurde eingeschaltet, alle hatten Einzelgespräche. Doch das Gruppenmeeting wurde so lange aufgeschoben, bis ich raus war. Und dann wurde ich auch nicht mehr eingeladen, obwohl andere mich dabei haben wollten. Beim Gruppenmeeting soll die besagte Dame dann gesagt haben, sie habe nach 40 Jahren in diesem Job überlegt zu kündigen, nachdem was ich zu ihr gesagt hab. Verständlich, die halben Sätze, die ich sagen konnte, hätten mich auch wütend gemacht. Am Ende des Meetings sollten alle was Positives übereinander sagen und sich umarmen. Das solle laut einer Mitarbeiterin das komischste Meeting ever gewesen sein. Und wirklich besser sei es nicht... Wenn einer der beiden krank ist, liefe es super, sonst nicht.
Zum Glück bin ich da raus... Aber mit den Mitarbeitern, mit denen ich mich noch verstanden habe, treffe ich mich demnächst zum Kaffee trinken.



Das war jetzt viel Text von meiner Seite aus... Jetzt einmal was von Jonathan :)

Bei mir hat sich zumindest bei den Mitarbeitern einiges geändert, viele spontane Wechsel innerhalb des Kindergartens und auch Neuzugänge, sowie Kündigungen.
Auch Kinder gibt es einige neue. Viele weinen jetzt schon nicht mehr so viel, was das Arbeiten deutlich einfacher macht. Sie hängen schon sehr an ihren Erziehern und sie sind so knuffig, dass man sie einfach ins Herz schließen muss.
Momentan bin ich jedoch weniger bei den Kindern, was auch mal eine angenehme Abwechslung ist. Da keiner der anderen Mitarbeiter sich mit Photoshop auskennt, wurde ich auserkoren, die neuen Plakate des Kindergartens zu gestalten. Ziemlich zeitaufwendig, vor allem, weil die Leiterin sehr kryptisch war, wie sie sich die Plakate vorstelle. Jetzt ist es ein Naturhintergrund mit Bergen etc. und im Vordergrund Kinder und Erzieher mehr schlecht als recht eingefügt.
Isländisch mit den Kindern zu reden fällt mir immer leichter, mit den Erwachsenen tue ich mich immer noch schwer. Vor allem die verschiedenen Fälle machen mir zu schaffen und ich kriege eine Idee davon, wie es Leuten ergehen muss, die Deutsch als Fremdsprache lernen.
Sonst gibt's bei mir eigentlich nichts Neues. Tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen.

Laura & Jonathan

Samstag, 26. November 2016

Teil 4: Im Toyota mit Familie Frömberg

Endlich war es dann auch mal bei mir soweit: meine Familie kam zu Besuch! Wohuuuu!

Durch Mutter Natur, die sich einmal im Monat zu Wort meldet, hatte ich einen komplette emotionale Überreaktion. Ich wollte meine Familie vom Flughafen abholen, sie wussten von gar nichts. Im Bus bin ich fast explodiert vor Aufregung. Am Flughafen musste ich eine Stunde warten, weil es keinen späteren Bus gab. Wahrend ich ganz cool strickte, war in meinem Bauch eine Party. Als dann eeeeeendlich da stand, dass der Flieger gelandet sei, stand ich in -5 Sekunden vor der Tür und wartete, obwohl ja noch das Gepäck kommen musste usw. Als sie dann eeeeendlich raus kamen, konnte ich gearde so abwarten, dass sie mich erkennen, dann rannte ich schon tränenüberströmt auf sie zu. Nachdem ich schon zu Hause mit meinen Stimmungschwankungen allen auf die Nerven gegangen bin und 1h Bus und 1h Warten hinter mir hatte, konnte ich meine Emotionen nicht mehr zurück halten.

Am nächsten Morgen hatte ich ein groooooßes Frühstück vorbereitet mit selbstgebackenem Rúgbrauð (süßes Roggenbrot), Flatkökur (rauchiges Kartoffelfladenbrot), Kindakæfa (Lammfleischaufstrich), Skyr, islandischer Blaubeermarmelade, Hangikjöt (geräuchertes Lammfleisch) und isländischer Butter (salzig). Meine Mutter hatte nach Toast und Käse gefragt, doch das war mir nicht genug für das erste Frühstück.


Wir legten gleich mit einer Golden Circle Tour los. Þingvellir, Geysir und Gullfoss. Meine Familie war natürlich begeistert.



Ich hatte mir fast die ganze Woche frei genommen, bis auf Montag, da sollte meine Schwester mit in den Kindergarten kommen.
Vormittags waren fast alle Kinder draußen, bis auf einer, der sehr traurig war, weil seine Eltern ohne ihn ins Ausland gefahren sind. Meine Schwester spielte also den ganzen Vormittag mit ihm und da entstand fast schon eine Freundschaft.
Gleichzeitig war dies auch mein letzter Arbeitstag in dieser Gruppe. Von der Chefin habe ich das Angebot bekommen, dass ich immer bei ihr unterkommen kann, wenn ich wieder nach Island komme. Es war schon echt traurig Tschüss zu sagen, aber ich bin ja immer noch um die Ecke.
Am gleichen Abend gingen wir noch ins Schwimmbad. Meine Mutter hat sehr bemängelt, dass es sowas nicht auch in Deutschland gibt... Im Endeffekt sind wir jeden zweiten Abend ins Schwimmbad gegangen.
Der Himmel war recht klar, also fuhren wir danach nach Seltjanarnes, dort war es dunkel genug um Nordlichter zu sehen. Und wir sahen auch einen leichten Schleier, doch wirklich stark waren sie nicht. Als wir gerade gehen wollten, wurden sie plötzlich stärker und tanzten. Wir blieben stehen und staunten, als sie plötzlich FEUERROT wurden!!!!! Sowas hatten wir noch niiiieeee gesehen. Das war unglaublich. Kameras hatten wir nicht dabei, aber den Moment vergessen wir nicht so schnell. Einfach mal f-e-u-e-r-r-o-t! Als eine Weile danach das Spektakel erstmal aufgehört hat, wollten wir wieder gehen, und wieder wurde es genau dann stärker. So stark, dass die Wolken über uns Grün geleuchtet haben. Wooooooow.
Ein drittes Mal hat die "Wir gehen dann"-Technik aber leider nicht funktioniert.

Ein weiterer Trip, den wir dann machten, ging hoch in die Westfjorde. Ich wollte meiner Familie ungedingt den Dynjandi zeigen. Auf dem Weg stiegen wir noch auf den Grábrock Krater und genossen den Ausblick.


Die Fahrt dauerte lange, und am Ende waren wir recht spät am Wasserfall. Die Schotterstraße dahin hatten Jonathan und ich auch in einem besseren Zustand in Erinnerung. Als wir ankamen, dämmerte es schon, deswegen gingen wir nicht ganz bis nach oben. Trotzdem war es schön.


Die Schotterstraße zurück im Dunkeln war dann nicht so schön... Doch wir schafften es zu unserer Unterkunft.
Am nächsten Tag stürmte es extrem, die Ausläufer eines Hurricanes zogen über Island. Zum Glück mussten wir nur zurück fahren.

Am nächten Tag fuhren wir zu unserm geliebten Snæfellsnes.
Auf dem Weg passierte uns ein LKW und plotzlich hatten wir einen riesigen Nagel im Reifen stecken. Aber komischer Weise in der Seite... Wir waren der festen Überzeugung, dass mit einer Nagelpistole auf uns geschossen wurde. So oder so, der Reifen war hin und wir mussten am nächsten Tag einen neuen kaufen. PS: Reifen in Island sind scheiße teuer.


Nunja, nach dem Reifenwechsel fuhren wir weiter. Ytri Tunga sahen wir eine sehr neugierige Robbe und sammelten Muscheln. Auf dem Weg zum Riss im Berg regnete es leider. Wir alle waren komplett durchnässt und wollten eigentlich nicht mehr raus. Das hies erstmal Kaffeepause in Hellnar. Am Djupalonsandur regnete es dann grade mal nicht, also schauten wir uns den Strand an. Die Wellen waren gute 2-3m hoch. Meine Schwester, mein Vater und Jonathan machten ein Spiel daraus, ganz nah ans Wasser zu gehen und dann erst im letzten Moment vor der Welle wegzurennen. Meine Mutter hat nur Steine gesammelt und zu spät mitbekommen, dass wir bei einer Welle alle rennen mussten, weil die echt weit den Strand hoch kam. Schubdiwubs war sie bis zu den Knien im Wasser. Uuuups.
Den Kirkjufellfoss (Wasserfall) haben wir uns nur ausm Auto angeguckt, da es geregten hat und jetzt so wirklich keiner mehr Lust hatte, raus zu gehen.


Am nächsten Tag zog es uns nochmal ein Stück in den Süden, nur zum Seljalandsfoss. Es war super schlechtes Wetter, bei einem Bergpass konnten wir vielleicht 5m weit sehen.
Am Wasserfall waren dann sehr viele sehr ignorante Touristen. Wir wollten ein Foto machen und naturlich laufen alle durchs Bild. Nett...
Bei diesem Wasserfall war der Regen komplett egal, da man eh nass wurde wenn man rum lief. Aber es war schon echt eindrucksvoll.
Dann gingen wir noch rüber zum Gljufrábúi, der in der Höhle. Um rein zu kommen muss man über den Fluss über ein paar steine Klettern, doch durch den vielen Regen der letzten Tage war das komplett überschemmt. Wir wagten uns trotzdem rein und jeder landete einmal mit dem Fuss im Wasser.


Am Sonntag war dann unser zweiter Versuch des Whalewatching. Am Donnerstag hatten wir es schonmal versucht, erfolglos. Dieses Mal sahen wir aber welche! Delfine und Buckelwale. Aber leider erst am Ende der Tour... Nunja, gesehen ist gesehen, ein weiteres Ticket gibts da leider nicht.

Am Abend hieß es dann leider wieder Abschied nehmen... 😢
Aber es ist ja nicht mehr lang bis Februar.
Auf dem Weg zum Flughafen hat meine Familie nochmal Nordlichter gesehen, der ganze Himmel war wohl Grün! Das hat mich sooo gefreut.

Ich vermisse euch ❤
Laura und Jonathan

Donnerstag, 24. November 2016

Teil 3: Imagine Peace

Am 9. Oktober wurde alljährlich der Imagine Peace Tower eingeschaltet, ein großes Friedensdenkmal in Form eines Riesenscheinwerfers in Gedenken an John Lennon. Daher leuchtet dieser Turm jedes Jahr vom 9. Oktober, seinem Geburtstag, bis zum 8. Dezember, seinem Todestag. Und das tat der Imagine Peace Tower dieses Jahr zum 10. Mal. Er soll bewusst machen, dass Frieden und Liebe das sind, was die Lebewesen dieser Erde zusammenhält.


Jedenfalls wollten wir uns das mal angucken. Also nahmen wir den kostenlosen Bus und die kostenlose Fähre auf die Insel Viðey vor Reykjavík. Die Bootfahrt wurde begleitet mit John Lennon Musik, besonders oft kam sein Song "Imagine". Wir mussten eine Weile warten, bis das Boot voll genug war und wir die 500m rübersetzen konnten. Aber dafür war es dann schon dunkel. Der Weg wurde nur durch ein paar Fackeln markiert, aber es reichte eigentlich schon den anderen Menschen zu folgen.
Vor dem Tower stand bereits ein Chor und hat Lieder gesungen.


Es nieselte immer Mal ein kleines bisschen. Aber allzu lange mussten wir nicht mehr warten. Ich machte ganz viele Fotos von Reykjavíks nächtlicher Skyline.
In der Ferne hörten und sahen wir das Stadion, hell erleuchtet zu dieser Tageszeit. Es stellte sich heraus, dass die Männer-Fußballnationalmannschaft dort grade die Türkei empfing. Die Türkei wurde vernichtend 2:0 geschlagen. Aber zurück zum Imagine Peace Tower..
Erst hielt der Reykjavíks Bürgermeister eine Rede. Dann gab es einen besonderen Gast, denn es war ja das 10-jährige Jubiläum. Also kam die Frau, die erst die Idee für das Ganze hatte: Yoko Ono. Da wir leider nicht direkt neben der Bühne standen, war es echt schwer, sie zu sehen, da sie echt klein ist. Durch das Mikro konnten wir aber zumindest auch ihre Rede hören.

Und dann wurde der Tower erleuchtet.



Im Anschluss gab es noch ein Konzert in einem kleinem Haus, wo es auch Kaffee, Kakao und Hot Dogs gab. Und einen von mehreren "Wunschbäumen". Man schreibt einen Wunsch auf einen Zettel und hängt ihn an diesen Baum. Dann wird er wahr. So sagt man zumindest. Wir haben es natürlich
ausprobiert, mal sehen was daraus wird.


Außerdem lagen dort überall Buttons herum mit den Worten "Imagine Peace" in allen möglichen Sprachen. Genau als wir gingen, wurde nochmal nachgefüllt und ich nutzte die Chance, nochmal einen deutschsprachigen zu ergattern. Eigentlich hatte mich jemand aus meiner Gruppe gesehen, als ich wieder raus kam, waren aber alle weg. Ich wusste nichtmal, ob sie jetzt noch auf den Hügel daneben sind oder nicht. Also stiefelte ich einfach zurück zur Fähre, dem eigentlichen Plan folgend. Ich versuchte Jonathan anzurufen, aber der ging nicht ans Telefon. Naja, im Endeffekt befanden wir uns auf einer kleinen Insel, irgendwann findet man sich schon wieder.
Bei der Fähre war eine laange Schlange, aber auch die andern Freiwilligen waren da! Glück gehabt. Jonathans Gesprächspartner fand es recht witzig, dass er mich vergessen hat. Aber niemand hatte es in der Dunkelheit mitbekommen. Tja :D


Jonathan und Laura

Mittwoch, 23. November 2016

Teil 2: Happy Birthday Jonathan!

Der 22. September näherte sich und somit auch Jonathans Geburtstag.
Am Abend davor gab es Pizza, denn an seinem letzten Tag als Teenager durfte er sich natürlich was aussuchen. Und was ist besser als selbstgemachte Pizza?
Den Rest des Abends hatte Jonathan Küchenverbot, denn ein Kuchen musste ja auch her.
Am nächsten Morgen durfte er dann ein paar Teelichter auspusten, da ich aus Kokosraspeln einen Sturmtruppler auf den Kuchen gestreut habe, und die Flocken sollten sich ja nicht im ganzen Zimmer verbreiten.
Jetzt ist er also 20. Heißt also, dass es ihm wieder erlaubt ist, Alkohol zu kaufen. Nachmittags gingen wir also in den Alkoholladen und zelebrierten das mit dem Kauf eines symbolischen Biers.

Am Wochenende wollte Jonathan dann natürlich ausgehen und seinen Geburtstag zelebrieren. Doch niemand hatte Lust. Als er später aber runter in die Küche kam, hatte ich natürlich eine kleine Party vorbereitet. Es fing mit einem Witz an, doch ich hatte es dann wirklich durchgezogen: es war eine Justin Bieber Mottoparty mit Masken, Tattoos und Postern. Das war schon recht witzig. Später gingen wir noch Downtown.

Eine Woche später gab es dann noch ein Highlight. Wenn man ein Jahr in Reykjavík lebt, muss man schonmal ein Konzert in der Harpa gesehen haben. Zufälliger Weise führte grad das Isländische Symphonie-Orchester "Disney Phantasia" auf, was Jonathan und ich beide noch nicht gesehen haben. Ich schenkte Jonathan also Karten dafür (auch ein bisschen aus Eigeninteresse) und dann gings da hin. Und es war sooooo schön! Die Konzerthalle ist genauso faszinierend wie die Harpa von außen, und das Orchester war toll, immer den Ton genau zu den Bewegungen der Figuren getroffen. Man wusste gar nicht, was zu erst da war, das Bild oder die Musik.
Es war zusammenfassend eine tolle Vorstellung.

Und ich denke, auch ein toller Geburtstag.




Dienstag, 22. November 2016

Teil 1: Mit zwei Klapperkisten durch Snæfellsnes

Seit kurzem haben wir ja 5 neue Mitbewohner und ein paar weitere verstreute neue Freiwillige hier. Für die ging es ja sofort los mit dem Arbeiten. Da hat man jetzt noch nicht so viel von Island gesehen.
Also entschieden wir recht spontan am ersten Oktoberwochenende einen Trip nach Snæfellsnes zu machen, da sieht man viel in kurzer Zeit. Perfekt also für erste Eindrucke.

Zwei Klapperkisten gebucht bei unserer "Lieblingsautovermietung" und dann ging's los.
2 Autos, 10 Leute, 2 Tage Zeit.

Wir tuckerten los.
Es war echt schwer zusammen zu bleiben im Reykjavíkschen Straßenverkehr. Und danach auch. Das hinterherfahrende Auto hatte vermutlich einen Fehler im Tacho. Denn beide Autos fuhren die erlaubten 90, doch trotzdem viel das hintere Auto immer und immer weiter zurück. Jonathan musste die ganze Zeit 70 fahren, damit wir die anderen nicht verloren.
Der auf der Strecke schon standardmäßige Einkaufsstopp Borganes wurde auch genutzt, dann wollten wir weiter. Doch am Campingplatz dort war irgendwas los... Da waren ganz viele Leute. So hielten wir und sahen, dass draußen im Watt ein Wal lag. Anscheinend war er zu langsam als die Ebbe kam. Aber beruhigend stellten wir fest, dass er sich noch bewegte. So sahen die anderen, die noch nie einen Wal in freier Wildbahn gesehen haben, zum Glück  keinen toten Wal. Nur einen, der so halb im Sterben lag. (Update: auf dem Rückweg am nächsten Tag war er nicht mehr da, er hat es wohl doch wieder raus geschafft)
Und dann ging es weiter.
Erster Stopp war dann Ytri-Tunga, wo recht viele Robben herumlagen, als ob sie sich unter den Wolken sonnten.
Beim Riss im Berg, Rauðfeldargjá, überwand eine Freiwillige ihre extremen Höhenängste und kam mit hoch, auch wenn nicht allein. Ich traute mich diesmal sogar in die Höhle rein zu klettern, aber das ging auch nur mit Hilfe von Jonathan. Denn so einfach war diese Kletterpartie nämlich auch nicht. Innen drin war aber ein kleiner Wasserfall. Und es hat schon was so in einem riesigem Riss drin zu stehen.
Dann ging es nach Hellnar. In diese Basaltgrotte verirrte sich auch ein Hochzeitspaar, was bei Eiseskälte und tiefen Rückenausschnitt (zumindest bei der Braut) tapfer Fotos schießen ließ.
Weiter zu einem meiner Lieblingsorte. Der Djupalónssandur. Wir blieben eine Weile da und sahen auf die unruhige See.
Dann gings lange Zeit nur gerade aus durch den Nationalpark. Irgendwann erreichten wir noch den Kirkjufell, wo wir nochmal kurz den Wasserfall bestaunten und den schon recht perfekt geformten Berg.
Wir nächtigten im uns bekannten Harbour Hostel in Stykkishólmur. Dort musste erstmal Abendbrot gekocht werden für 10 hungrige Leute. Da werden selbst Nudeln zu einem echt schwer zu kochendem Gericht. Bis das Wasser in diesem überdimensional riesigen Topf gekocht hat (der war bestimmt über einen halben Meter hoch), hat es wahrscheinlich eine halbe Stunde gedauert... Nachdem auch das Gemüse fleißig geschnippelt und gekocht war, konnte endlich gegessen werden.
Trotz der großen Truppe, der Selbstbedienungsbar und des Samstagsabends, gingen wir alle früh ins Bett.

Am nächsten Tag ging es nach einem Frühstück in sehr großer Runde wieder zurück, mit Abstechern.
Unser Weg führte uns über Snæfellsnes' östlichen Bergpass. Der Herbst hatte zurzeit seine Hochphase, sowieso war alles überall in den buntesten Herbsttönen. Da oben war es soooo schön, dass wir anhielten und ich voller Euphorie ohne Jacke aus dem Auto sprang. Hier ein Foto, da ein Foto und weils so schön ist nochmal da von ein Foto. Während die anderen noch kurz die Szenerie bestaunten, ging ich zurück, da es dann doch eeetwas kalt wurde. Sobald ich dann im Auto saß, fing es an zu schütten. Fast panisch rannten die anderen zu den Autos zurück, wo ich grinsend und trocken schon saß.
Dann ging's weiter Richtung Süden, bis wir zum Hraunfossar ab bogen, der Wasserfall, der aus einem Lavafeld kommt. Bei dem kann ich mich auch nicht wirklich entscheiden, zu welcher Jahreszeit er schöner aussieht.
Wir wollten diesmal nicht den Tunnel unter dem Hvalfjörður nehmen, wie auf dem Hinweg, sondern den Fjord entlang fahren. So nahmen wir eine "Abkürzung", eine Schotterstraße. Auch wenn sie ein gutes Stückchen lang und stellenweise nicht einfach zu fahren war, hat es sich gelohnt: die ganze Landschaft leuchtete rot und orange. Zwei oder drei Seen waren zu sehen, in denen sich der Herbst spiegelte. Es. War. Soo. SCHÖN!
Am Hvalfjörður hielten wir noch an einem weiteren Wasserfall, wo fleißig das Wasser probiert wurde. Frischer geht's nicht.
Dann mussten wir uns beeilen. Eine Freiwillige, zufälliger Weise eine Fahrerin, hatte nämlich noch eine Arbeitsschicht um 5 und es wurde langsam knapp.
Wir fuhren schnell und irgendwann verloren wir das zweite Auto. Da es aber nur noch gerade aus ging, rief ich das andere Auto an und erklärte ihnen den Weg, sodass wir einfach entspannt weiter fuhren.
Die Freiwillige schaffte es pünktlich, aber gerade so. Fast 15 Minuten später kam das andere Auto nach uns an.

Zusammenfassend war es auf jeden Fall ein schöner Trip und alle anderen waren auch begeistert.

Was ich so schön fand, ist, dass wir ja jetzt schon 6-7x auf Snæfellsnes waren. Jedes Mal fühlt es sich fast schon wie ein "nach Hause kommen" an, so oft waren wir schon da.
Und immer zu anderen Jahreszeiten. Zu Ostern mit stellenweise noch Schnee, im Mai, wo der Frühling anfing, im grünen Sommer und auch jetzt im rotorangenem Herbst. Vielleicht verschlägt es uns im tiefsten Winter dort noch einmal hin.


Ytri-Tunga
am Rauðfeldargjá
auf dem Bergpass
auf dem Bergpass
irgendwo
auf der "Abkürzung"



Jonathan und Laura

Montag, 21. November 2016

Prokrastination

Prokrastination, die: (lat.-eng.) das Verschieben, Aufschieben von anstehenden Aufgaben, Tätigkeiten; Plural: die Prokrastinationen

Wir haben es etwas vor uns hingeschoben... Daher ist mittlerweile auch sehr viel passiert.
In der nächsten Tage werden wir also immer zu verschiedenen Themen etwas schreiben.

Ich hoffe ihr verzeiht uns das lange Warten.
Jetzt bekommt ihr aber wiedermal eine volle Ladung!

Sich schämend,
Laura und Jonathan




Donnerstag, 29. September 2016

Nordlichterparty

Diese Woche ist aber was los am Himmel. Durchgehend ist die KP, also die Stärke der Nordlichter, extrem hoch. Sobald es dunkel ist, tanzen sie am Himmel!
Aber was soll ich noch groß rum reden hier, wir waren natürlich draußen und haben das Spektakel für euch festgehalten!











Gestern Abend wurde sogar in Teilen von Reykjavík die Straßenbeleuchtung abgeschaltet, damit man die Lichter noch besser sehen kann! Doch trotz höherer KP als am Vortag hielten sich die Lichter eher zurück und nur manchmal waren sie wirklich gut zu sehen. Aber so eine Stadt im dunkeln zu sehen, hat schon was.
Ich werde die Fotos die Tage nochmal durchsichten, also ruhig nochmal vorbeischauen, bald gibts noch mehr Bilder! 

Jonathan und Laura,
auf der Jagt nach Nordlichtern
 

Donnerstag, 15. September 2016

Reise-Nachtrag: In 6 Tagen um Island

Here we go again.
Ein kleiner Nachtrag zu unserem großen Reisemonat.

Die Reise begann am 21. Juli
Nur Jakob, Ich und ein kleiner Citroën C1. Der Plan: Einmal um die Insel in 6 Tagen.
Keine Hotels, nur zelten.

Tag 1:
Am ersten Tag mussten wir ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Strecke wir pro Tag zurücklegen müssten, um es rechtzeitig zu schaffen. Wir heizten los und erkundeten Snæfellsnes und alles davor, die Klassiker eben. Es wurde schon spät und unser eigentliches Ziel war Búðardalur, jedoch waren wir uns sicher, dass diese Strecke von Stykkishólmur unmöglich zu schaffen war. Also fuhren wir zurück nach Borgarnes, um dort zum ersten Mal zu nächtigen. Der Campingplatz dort hat eine wunderschöne Aussicht auf das Watt und die umliegenden Berge und vom direkt nebenan liegenden Hügel konnte man sehr gut den Sonnenuntergang beobachten. Aber leider keine Dusche...
Tag 2:
Leicht verkatert ging es los, wir hatten ein bisschen was aufzuholen. Ziel war Dalvík, ein kleines verschlafenes Dörfchen oben im Norden mit wunderschöner Fjordlandschaft. Sprit hatten wir noch reichlich (dachten wir zumindest) und die Laune war gut. Nach einigen kleinen Zwischenstopps zum Bewundern der Landschaft, wurde langsam der Sprit knapp. Wir hielten an der nächsten Tankstelle und tankten.
[Man muss dazu sagen, dass quasi alle Tankstellen hier mit Selbstbedienung operieren, sprich man bezahlt erst und tankt danach. Überschuss wird einem zurücküberwiesen. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht.]
Wir hatten eine digitale Tankanzeige, die vorher auf einem von sechs möglichen Balken war. Nach dem Tanken gings gleich weiter. Etwa 70km später schaute ich beiläufig auf die Tankanzeige, in dem Gedanken, dass die Anzeige jetzt zumindest beinahe voll sein sollte (es kann ja bei manchen Autos etwas dauern, bis der Zeiger nachrutscht.) 1 Balken war voll. Ein ungutes Gefühl machte sich bei uns breit. Aber wir dachten, es wäre vielleicht ein Defekt, so richtig Sorgen müsste man sich erst machen, wenn die Anzeige jetzt noch runter geht. Sie tat es. Wir schlauen Köpfchen hatten es irgendwie vermasselt, zu tanken.
Laut Google war die nächste Stadt mindestens 50km entfernt. Und wir auf Reserve. Mein Handy hatte nur noch 10% Akkuladung, weil wir zwar den Autoladeadapter dabei, aber das korrekte Kabel vergessen hatten. Zu allem Überfluss kam eine Nebelbank vom Meer her, wie ich sie noch nie erlebt habe. Teilweise war unsere Sicht auf etwa 3-5 Meter beschränkt. Im Schneckentempo quälten wir uns über die Fjorde. Jakobs Internetgeschwindigkeit ließ immer mehr nach, was es sehr schwer machte, herauszufinden, wie weit es noch war.
Da sahen wir sie! Aus dem Nebel schälte sich eine kleine Tankstelle mit zugehörigem Häuschen aus dem Nebel. Früher als erwartet, sie war bei Google und auf unserer Karte nicht verzeichnet. Überglücklich parkten wir bei der Zapfsäule. Das Häuschen war schon leer, die Tankstelle hatte offiziell schon seit einer Stunde zu. Aber das machte ja nichts, die Zapfsäule war mit Kartenlesegerät ausgestattet. Karte rein, Betrag eingegeben, Pin rein, piep. Nichts. Eigentlich hätte es laute Geräusche machen sollen, um zu zeigen, dass die Pumpe in Bereitschaft war. Erster Versuch zu tanken: Fehlanzeige
Karte rein, Betrag eingegeben, Pin rein, piep. Nichts. Tanken: Fehlanzeige
Karte rein, Betrag eingegeben, Pin rein, piep. Nichts.
Karte rein, Betrag eingegeben, Pin rein, piep. Nichts.
Karte rein, Betrag eingegeben, Pin rein, piep. Nichts.

Wir waren am Verzweifeln. Da hatten wir es doch tatsächlich zu einer Tankstelle geschafft und dann ging sie nicht.. Der Nebel umschloss uns von allen Seiten, hatte er doch vorher kurzzeitig etwas nachgelassen.
Wir mussten weiter, es gab keine andere Alternative.
mit Durchschnittstempo 25 quälten wir uns durch den Nebel, der rasant wieder an Masse zunahm. Uns begegnete kaum jemand. Der Nebel wurde immer dichter, zu allem Überfluss wurde die schön asphaltierte Straße auch noch zu einer holprigen, hügeligen Kiesstraße. Das Ganze kam uns vor, als hätte es Stunden gedauert. Links von uns der Abgrund in den Ozean, den wir nicht einmal sehen konnten vor lauter Nebel. Rechts von uns die massiven Berge. Es war imposant und schön, auch in unserer misslichen Lage. Es ging durch einen einspurigen, schlecht beleuchteten, fast 1km langen Tunnel. Sehr ominöse Stimmung ergriff uns.
Dann fuhren wir um die letzte große Biegung des Fjords. Der Nebel lichtete sich und da lag es: Siglufjörður!
Wir hatten es zumindest zurück in die Zivilisation geschafft!
Wir fuhren langsam durch den kleinen Ort mit Tempolimit 35, die Augen offen nach einer Tankstelle. Wir durchquerten den gesamten Ort auf der Hauptstraße und fanden...nichts..keine Tankstelle. Wir konnten es nicht fassen. Wir wussten, wir würden es nicht zum nächsten Ort schaffen, wir waren froh, dass die Reserve überhaupt so lange gehalten hatte. Es musste doch in diesem kleinen Kaff eine Tankstelle geben. Wir fanden sie, mit viel Ach und Krach. Es war eine richtige "klassische" Tankstelle nach dem Prinzip: Erst tanken, dann reingehen und bezahlen. Genüsslich füllten wir den Tank auf und warteten so lange an der Tankstelle, bis sich die digitale Anzeige aktualisiert hatte und einen vollen Tank anzeigte.
Beruhigt ging es weiter. Dalvík war nicht mehr weit entfernt, nur noch etwa 40km. Es wurde auch schon langsam dunkel, aber nur seehr langsam.
Nun erwarteten uns noch mehr Tunnel, zusammen etwa 10km lang. Sie waren jedoch besser beleuchtet, es gab eine Gegenspur und wir hatten wieder Benzin im Tank. Über kurz oder lang kamen wir im knuddeligen Dalvík an. Der Campingplatz war schnell gefunden. Dieser hatte eine Dusche und sogar einen kleinen Gemeinschaftsraum mit Küche. Die Sonne ging unter über dem Meer und den Bergen, es war ein wunderschöner Anblick. So endete der Tag ereignisreich, aber positiv.

Tag 3:
Früh los nach einer ausgiebigen Dusche. Heute geht es zum Mývatn, dem Mückensee. Unterwegs der eine oder andere Wasserfall, jede Menge Schafe und umwerfende Landschaft, gepaart mit epischer Musik. Oh und natürlich Akureyri, die zweitgrößte Stadt Islands. Wir fuhren nur dran vorbei, wir hatten es eilig.
Das Wetter war meist gut, jedoch auch gelegentlich mal regnerisch. Ich hoffte auf Regen am Mývatn, weil das die Anzahl der Mücken auf ein erträgliches Minimum reduzieren würde. Ich wurde mit Sonnenschein belohnt. Wie sollte es auch anders kommen. Die Mücken flogen in Schwärmen so groß wie Tanklaster, so kam es uns vor. Es war fast unaushaltsam. Wir blieben nicht lange. Wir hatten jedoch auch ein anderes Ziel im Auge.
Jeder, der von Island hört, hat bestimmt auch schon von der Blauen Lagune gehört. Die Preise dort sind nur so unverschämt teuer, dass wir bisher nie dort waren. Eintritt im Winter für Erwachsene kostet umgerechnet etwa 40€. Im Sommer sind es etwa 60€. PRO PERSON.
Im "Mývatn Nature Bath" kriegt man das selbe Aangebot an warmem Wasser in der Natur für einen Bruchteil des Preises. Wir schummelten uns als Studenten rein und zahlten nur noch etwa 15€. Nicht unbedingt günstig, aber immerhin waren wir drin und waren nicht jeder 60€ losgeworden. Im Nature Bath bot sich uns ein interessanter Anblick. Inmitten des Lavagesteins befand sich ein riesiges Becken, gefüllt mit Menschen die alle nur so vor sich hindümpelten im dampfenden Wasser. Ich muss sagen, es war schon beeindruckend, aber beim besten Willen: Es gibt bessere Bäder. Die Aussicht war gut, zugegeben. Aber es war latent überfüllt und der Boden merkwürdig schleimig/schlammig. Es gibt viele Hotpots in Island, die zwar deutlich kleiner, aber dafür abgelegener, besser situiert und auch noch gratis sind. Deswegen war ich nicht sehr angetan. Dennoch war es eine nette Erfahrung.

Der nächste Halt war das Sulfatarenfeld, eine kleine Ebene mit vielen kleinen vulkanischen Kratern, die nach verfaulten Eiern stinkende Luft überallhin katapultiert. Nach einem kurzen Halt fuhren wir weiter, hier gab es für uns nichts Außerordentliches mehr zu sehen. Die Landschaft veränderte sich hier massiv. Sie wurde weniger hügelig und deutlich vulkanischer. Im Endeffekt befanden wir uns auf einer riesigen Ebene mit Vulkangestein, so weit das Auge reichte. Eine Straße führte ab von der Hauptstraße, weiter hinein in die massive Ebene, hin zu einer Bergkette. Hier befand sich der Dettifoss, der leistungsstärkste Wasserfall Europas, und spuckte Tonnen an braunem, gerölligen Wasser in die Tiefe. Das Rauschen ist ohrenbetäubend und der Wasserfall ist auch nicht grade klein höhentechnisch. Das Wasser fällt runter in eine Schlucht, deren Boden wir nur erahnen konnten. Das Wasser sprühte trotzdem überall hin und wir waren innerhalb von Sekunden klitschnass. Regenjacken wären in diesem Moment angebracht gewesen. Ein monumentaler Wasserfall, den (so scheint es) keine Zeit der Welt zum Versiegen bringen kann. Seine Abgelegenheit führt jedoch nicht dazu, dass er wenig besucht wird, oh nein. Der Parkplatz war rappelvoll, dabei war es bereits später Nachmittag. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Bis nach Egilsstaðir waren es noch gute 160km. Diese gestalteten sich als eher eintönig, die Ebene streckte sich nur so. Gelegentlich musste man um einen riesigen Berg rangieren oder durch ein kleines Tal fahren, wir sahen auch einen doppelten Regenbogen. Aber sonst bot dieser Ort wenig Abwechslung.
Sehr unscharfes Bild leider, aber ganz undeutlich rechts neben dem Regenbogen ist ein unscheinbarer zweiter. Ich habe das Bild ausnahmsweise mal über den Rand gehen lassen, aufgrund von Visibilität.
Wir kamen schlussendlich in Egilstaðir an, nach einer finalen Fahrt durch einen großen Canyon. Dieser Campingplatz hatte zwar eine Dusche, aber war extrem voll mit riesigen Campingwagen, einer größer als der andere. Im Nieselregen endete dieser Tag im Zelt.

Tag 4:
Es begann mit viel Nebel und gelegentlichem Regen. Wir wollten zuerst über den Pass nach Seyðisfjörður, danach wieder zurück und für danach hatten wir noch keinen Plan. Also auf über den Pass.
Man muss dazu sagen, dass der Pass an sich schon einen Abstecher wert ist normalerweise. Dort oben liegt nämlich fast das ganze Jahr über Schnee und die Seen mit Eis, die sich dort bilden, werden häufig vom Licht sehr magisch angestrahlt.
Aber was sahen wir, als wir oben waren? Nebel, nichts als Nebel.
Wir sahen weder den Schnee, noch die Seen, noch das Eis darauf. Nur einen extrem langsamen Fahrer im vorderen Auto, der ohne Scheinwerfer im Schritttempo dahinkroch. Lichthupe, echte Hupe, nichts brachte ihn dazu, sein Licht anzuschalten. Hinter uns bildete sich schon eine Schlange, weil keiner wagte, bei dem Nebel zu überholen. Auf der anderen Seite entschieden wir uns, gleich zurückzufahren. Für Seyðisfjörður hatten wir leider keine Zeit.

Wir hielten erst wieder in Stöðvarfjörður, einem kleinen Dorf. Dort gingen wir ein wenig an den Hafen, aßen etwas und fuhren schlussendlich weiter. Wir wussten noch nicht genau, wo wir nächtigen würden, wir hofften, etwas Geeignetes zu finden. Unsere Versuche blieben vorerst fruchtlos. Aber dann fanden wir ihn. DEN Campingplatz. Nicht weit von Höfn entfernt lag er, unglaublig leer, seeehr viel Platz und jeder hatte Platz für sein eigenes Lagerfeuer. Es gab auch einen Gasgrill, den man hätte benutzen dürfen, aber wir entschieden uns für das offene Feuer. Feuerholz zu finden stellte sich in einer Landschaft ohne Bäume als Herausforderung dar, aber wir meisterten auch das. So saßen wir dann abends an unserem Lagerfeuer, hörten Musik und ließen es uns gut gehen.

Tag 5:
Wieder früh los und entspannt losgetuckert. Halt war am Jökulsárlón, dem Gletschersee Islands. Ein imposanter See gefüllt mit Eisbrocken, die zum Teil älter sind als unsere Zeitrechnung. Blau, durchsichtig und manchmal schwarz glänzt das Eis, die Luft ist erfüllt mit Möwen, Papageientauchern und Raubmöwen, die Jagd auf die anderen Vögel machen. 
Am Strand sind riesige Eisklotze, die fast wie Skulpturen aussehen, so voller Anmut und Grazie.



Nach ausgiebiger Betrachtung ging es weiter zum Skógarfoss. Es ist ein vergleichsweise kleiner, aber nichtsdestotrotz ein schöner Wasserfall. Da es bereits später Nachmittag war, überlegten wir uns, ob wir nicht auf dem Campingplatz dort übernachten wollten. Wir entschieden uns dagegen, da es sehr nass dort war, sehr voll und auch sehr laut durch den Wasserfall. Wir wollten noch weitergucken, bevor wir uns zur Ruhe legten. Schlussendlich fuhren wir noch am Eyjafjallajökull (dem Vulkan, von dem nach dem Ausbruch 2010 fast jeder einmal gehört hat) und einem weiteren Wasserfall vorbei, dem Seljalandsfoss, den wir uns aber nur kurz aus dem Auto angeguckt haben und dann weiter sind.
Der nächste Halt war das abgestürzte Flugzeug am Sólheimarsandur. Eine knappe Stunde Fußmarsch vom "Parkplatz" war das gute Stück entfernt. Der Weg dorthin war sehr sehr eintönig, es gab nur Steine zu sehen auf einer flachen Ebene. Dort war es einmal erlaubt, bis in die Nähe des Wracks zu fahren, doch unvorsichtige Offroadfahrer brachten die Besitzer des Grundstückes dazu, dieses Privileg zu wiederrufen, seitdem muss man laufen. Das Wrack ist eher unscheinbar. Es ist schon ein abgestürztes Flugzeug, aber irgendwie "nichts Besonderes". Es ist so heruntergekommen, die Hälfte fehlt bereits. Es ist noch erstaunlich stabil, die Fassade ist zum größten Teil intakt. Man kann rein- und auch raufklettern, wenn man es schafft.
Hvolsvöllur war unser letzter Halt an diesem Tag.
Kleines Dorf, kleiner Campingplatz. Skandinavische Zeltnachbarn.
Zuerst waren wir etwas genervt von unseren Nachbarn, weil sie recht laut waren und der Campingtisch direkt neben unserem Zelt stand. Dann "klopfte" jemand an unsere Zeltplane. Wir öffneten und wurden gefragt, ob wir uns nicht dazusetzen wollen. Wie sich heraausstellte, hatten die Skandinavier (2 Finnen, 1 Dänin, 1 Norwegerin) jede Menge Alkohol bei einer Hochzeit abgegriffen und wollten ihn "loswerden". Wir willigten ein, wohlwollend.
Der Abend wurde sehr lang..
das einzige Foto des Abends
Wir entschieden uns im Laufe dessen, am nächsten Tag spät loszufahren, da ich mich außer Lage sah, zu fahren.

Und so kam es.

Tag 6:
Um 11 Uhr wachte ich auf. Ich konnte definitiv erstmal nicht fahren. Das fühlte ich instinktiv.
Ein Blick auf Jakob, als er aufwachte, sagte mir, dass es ihm mindestens genauso beschissen ging wie mir.
Die Skandinavier waren schon weg, hatten uns aber noch 6 Bier dagelassen, die wir in den Kofferraum verfrachteten. Alleine bei dem Anblick wurde uns schon übel. Wenigstens war schönes Wetter.
Eigentlich hatten wir für heute geplant, entspannt nach Hveragerði zu fahren, um im Heißen Fluss zu baden. Wir entschieden uns, diese Idee sausen zu lassen.
Wir lagen in der Sonne rum........
Die ganze Zeit..
Um 17 Uhr machten wir uns auf die Socken und fuhren seeeeehr langsam los. Wir waren zum Glück nicht mehr weit von Reykjavík entfernt. Ich fuhr so vorsichtig, dass ich mehrfach von hinten angehupt wurde, aber das war mir egal.
Wir kamen ohne größere Zwischenfälle in Reykjavík an (zum Glück).
Zu allem Überfluss hatten die anderen Freiwilligen (noch die Alten zu diesem Zeitpunkt) ein großes BBQ veranstaltet und wir stießen dazu. Wir waren ungesprächig und verzogen uns schnell wieder.
Und so endete der Tag, schneller als er begonnen hatte.
Ein Roadtrip mit Höhen und Tiefen, mit viel Gefahre, guter Musik und bombastischer Aussicht. Mit kleinen Panikattacken wegen Spritknappheit.
Aber unvergleichlich und einzigartig!

The End

Zur Abwechslung mal nur Ich,
Jonathan